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Immer Ja sagen? Warum es so schwerfällt, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen – und wie Sie lernen, Grenzen zu setzen

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 10. Juli
  • 4 Min. Lesezeit
Immer viel zu tun
Immer viel zu tun

Andrea Maierhofer, 10.07.2026








Warum fällt es vielen Menschen – besonders Frauen mit ADHS oder einem geringen Selbstwertgefühl – so schwer, Nein zu sagen? Erfahren Sie, warum wir die Erwartungen anderer über unsere eigenen Bedürfnisse stellen und wie Sie lernen, gesunde Grenzen zu setzen.


„Möchte ich das wirklich – oder glaube ich nur, dass andere es von mir erwarten?“


Diese eine Frage kann das eigene Leben verändern.


Denn erstaunlich oft handeln wir nicht nach unseren eigenen Bedürfnissen, sondern nach den Erwartungen, die wir anderen zuschreiben. Wir sagen Ja, obwohl wir erschöpft sind. Wir übernehmen Aufgaben, obwohl unsere Kraft längst aufgebraucht ist. Wir helfen, organisieren, springen ein und funktionieren – und wundern uns irgendwann, warum wir uns selbst kaum noch spüren.


Viele Menschen kennen dieses Gefühl. Besonders häufig begegnet es Frauen, die schon früh gelernt haben, für Harmonie zu sorgen, Konflikte zu vermeiden und die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen zu stellen.



Vorauseilender Gehorsam – Erwartungen erfüllen, die niemand ausgesprochen hat


Ein faszinierendes Phänomen ist der sogenannte vorauseilende Gehorsam.


Dabei tut niemand etwas, weil es ausdrücklich verlangt wurde.


Sondern weil er überzeugt ist, dass es erwartet wird.


Das Gehirn ergänzt gewissermaßen die Gedanken anderer:


“Bestimmt erwarten sie, dass ich das übernehme.”


“Ich sollte jetzt helfen.”


“Wenn ich Nein sage, bin ich egoistisch.”


Dabei hat die andere Person vielleicht gar keine Erwartung ausgesprochen. Oft hätte sie Verständnis für eine Absage.


Wir reagieren also nicht auf die Realität, sondern auf unsere Vorstellung davon.



Warum glauben wir, dass andere genau das von uns erwarten?


Unser Gehirn liebt Vorhersagen.


Es versucht ständig einzuschätzen, wie andere Menschen reagieren könnten. Das hilft grundsätzlich dabei, Beziehungen zu gestalten.


Problematisch wird es, wenn aus Vermutungen scheinbare Tatsachen werden.


Dann entstehen Gedanken wie:


● Das gehört sich so.


● Ich darf niemanden enttäuschen.


● Gute Menschen helfen immer.


● Andere würden das schließlich auch für mich tun.


Mit der Zeit fühlt sich diese innere Stimme wie die Wahrheit an – obwohl sie oft nur eine alte Überzeugung ist.



Warum haben wir Angst, dass uns andere nach einem Nein weniger mögen?


Für viele Menschen bedeutet ein Nein unbewusst:


Nein = Ablehnung.


Doch das ist ein Denkfehler.


Ein Nein bedeutet meistens lediglich:


● Ich habe heute keine Zeit.


● Ich brauche eine Pause.


● Meine Energie reicht gerade nicht.


● Das passt im Moment nicht.


Ein gesundes Gegenüber wird dadurch nicht plötzlich schlechter von Ihnen denken.


Wer Sie nur mag, solange Sie ständig verfügbar sind, schätzt möglicherweise eher Ihren Nutzen als Ihre Persönlichkeit.


Echte Beziehungen halten Grenzen aus.



Warum verlieren wir dabei den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen?


Wenn wir über Jahre gelernt haben, auf die Gefühle anderer zu achten, entwickelt sich eine erstaunliche Fähigkeit:


Wir spüren oft sofort, wenn jemand enttäuscht, gestresst oder traurig ist.


Doch gleichzeitig verlieren wir den Zugang zu einer viel wichtigeren Frage:


Wie geht es eigentlich mir?


Viele Betroffene bemerken ihre eigenen Bedürfnisse erst dann, wenn der Körper die Notbremse zieht:


● Erschöpfung


● Schlafstörungen


● Reizbarkeit


● Konzentrationsprobleme


● Rückzug


● Burnout


Der Körper sagt dann das Nein, das wir selbst nicht ausgesprochen haben!



Besonders Frauen mit ADHS kennen dieses Muster


Viele Frauen mit ADHS berichten, dass sie sich schon als Mädchen angepasst haben.


Sie wollten nicht auffallen.


Nicht anstrengend sein.


Nicht “zu viel” sein.


Sie haben gelernt, Fehler zu vermeiden, Erwartungen zu erfüllen und sich selbst zurückzunehmen.


Hinzu kommt häufig die sogenannte Rejection Sensitive Dysphoria (RSD) – eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber tatsächlicher oder vermuteter Ablehnung.


Dann fühlt sich bereits ein kleines Nein so an, als würde die Beziehung auf dem Spiel stehen.


Dabei passiert meist genau das Gegenteil:


Klare Grenzen schaffen langfristig gesündere Beziehungen.


Wie lernen wir, wieder auf unsere Bedürfnisse zu hören?


Der wichtigste Schritt dauert oft nur wenige Sekunden.


Antworten Sie nicht sofort.


Gewöhnen Sie sich stattdessen an eine kurze Pause.


Und: Fragen Sie sich:


● Möchte ich das wirklich?


● Habe ich gerade genügend Energie?


● Würde ich auch Ja sagen, wenn ich keine Angst hätte, jemanden zu enttäuschen?


● Handle ich aus Freude oder aus schlechtem Gewissen?


Diese kleine Unterbrechung gibt Ihrem eigenen Bedürfnis überhaupt erst eine Chance, gehört zu werden.



Braucht man dafür immer eine Psychotherapie?


Nein.


Viele Menschen verändern ihre Muster durch Selbstreflexion, gute Literatur, Coaching oder bewusste Übungen.


Eine Psychotherapie kann jedoch sehr hilfreich sein, wenn hinter dem ständigen Anpassen tief verwurzelte Ängste, belastende Beziehungserfahrungen oder ein dauerhaft niedriges Selbstwertgefühl stehen.


Es geht dabei nicht darum, egoistisch zu werden.


Es geht darum, sich selbst denselben Respekt entgegenzubringen, den man anderen selbstverständlich schenkt.



Sätze, die Ihr Gehirn neu lernen darf


Unser Gehirn verändert sich durch Wiederholung.


Je häufiger wir neue Gedanken bewusst denken und aussprechen, desto vertrauter werden sie.


Vielleicht beginnen Sie mit einigen dieser Sätze:


● Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die der anderen.


● Ich darf Nein sagen, ohne mich zu rechtfertigen.


● Ein Nein macht mich nicht unfreundlich.


● Ich muss nicht ständig verfügbar sein.


● Ich darf mir Zeit nehmen, bevor ich zusage.


● Wer mich mag, hält auch ein Nein aus.


● Ich bin nicht verantwortlich für die Gefühle anderer.


● Selbstfürsorge ist kein Egoismus.


● Mein Wert hängt nicht davon ab, wie viel ich leiste.


● Ich darf Grenzen setzen und trotzdem ein liebevoller Mensch sein.



Eine Frage, die Ihren Alltag verändern kann


Bevor Sie schlafen gehen, stellen Sie sich eine einzige Frage:


„Habe ich heute mindestens einmal so gehandelt, wie es für mich richtig war – oder nur so, wie ich glaubte, dass andere es von mir erwarten?“


Diese Frage wirkt zunächst unscheinbar.


Doch sie lenkt den Blick langsam weg von den Erwartungen anderer – und zurück zu dem Menschen, dessen Bedürfnisse im Alltag oft als Letztes berücksichtigt werden:


Zu Ihnen selbst.


Denn Selbstfürsorge beginnt nicht mit einem großen Nein.


Sie beginnt mit einem ehrlichen Ja zu den eigenen Bedürfnissen.








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Überraschung!

 
 
 

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