ADHS bei Frauen: Essen Sie auch oft beim Autofahren? Hören laut Musik dazu? Und erstellen noch gleich einen Plan für zuhause? 🚘🚘🚘
- andrea maierhofer
- 24. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Andrea Maierhofer, 24.05.2026, (3 Min Lesezeit)
Menschen mit ADHS funktionieren schlecht bei Unterstimulation. Deshalb werden oft Dinge gleichzeitig gemacht. Jedes hat dann gleiche Priorität. Und zusammen bewirken sie dann, das das Gefühl der "Aktivität" aufkommt.
Viele Frauen mit ADHS beschreiben genau dieses Muster:
● alles schnell erledigen,
● mehrere Dinge gleichzeitig tun,
● unterwegs essen oder trinken,
● noch „rasch“ etwas abhaken,
● und danach plötzlich das Bedürfnis haben, komplett herunterzufahren.
Das wirkt von außen manchmal hektisch oder widersprüchlich. Neurobiologisch ergibt es aber oft Sinn.
Warum muss es bei ADHS oft schnell gehen?
Das ADHS-Gehirn verarbeitet Motivation anders. Vor allem Dopamin spielt eine große Rolle.
Das Gehirn reagiert stärker auf:
● Neuheit,
● Tempo,
● Dringlichkeit,
● Reiz,
● unmittelbare Belohnung.
Langsame Abläufe erzeugen dagegen oft:
● Unterstimulation,
● innere Unruhe,
● geistiges Wegdriften,
● Frustration.
Deshalb entsteht häufig ein inneres Bedürfnis nach:
● Geschwindigkeit,
● Dynamik,
● Parallelität,
● Momentum.
Viele Betroffene fühlen sich erst richtig „wach und aktiv“, wenn genug Reiz vorhanden ist.
Warum machen langwierige Aufgaben oft so wenig Spaß?
Nicht weil Frauen mit ADHS faul wären. Sondern weil das Gehirn Schwierigkeiten hat mit:
● verzögerter Belohnung,
● monotonen Abläufen,
● wenig stimulierenden Tätigkeiten.
Eine Aufgabe kann rational wichtig sein — aber emotional keinen „Zugang“ erzeugen.
Dadurch entsteht oft:
● Aufschieben,
● innerer Widerstand,
● schnelles Abschweifen,
● Müdigkeit bei langweiligen Dingen.
Interessanterweise können dieselben Frauen bei spannenden Themen stundenlang hochkonzentriert sein. Dieses Phänomen nennt man Hyperfokus.
Warum essen oder trinken viele ADHS-Frauen beim Autofahren?
Das ist oft Selbstregulation.
Mehrere gleichzeitige Reize helfen dem Gehirn manchmal:
● aufmerksam zu bleiben,
● innerlich reguliert zu sein,
● Reizniveau stabil zu halten.
Deshalb kombinieren viele intuitiv:
● Autofahren + Musik,
● Lernen + Bewegung,
● Haushalt + Podcast,
● Arbeiten + Kaffee,
● Telefonieren + Herumgehen.
Essen, Kauen oder Trinken können zusätzlich beruhigend wirken, weil sensorische Reize das Nervensystem regulieren.
Das bedeutet nicht automatisch „ungesundes Verhalten“, sondern häufig:
Das Gehirn versucht sich selbst zu stimulieren oder zu stabilisieren.
Warum noch schnell alles erledigen, um danach Ruhe (für sich) zu haben?
Das ist bei vielen Frauen mit ADHS ein sehr typisches Muster.
Offene Aufgaben bleiben oft mental „aktiv“. Das Gehirn kann schlecht entspannen, solange etwas unerledigt wirkt.
Deshalb entsteht häufig:
● innerer Druck,
● Getriebenheit,
● das Gefühl „erst noch schnell alles fertig machen“.
Viele Frauen erleben:
Ruhe fühlt sich erst erlaubt und glaubhaft an, wenn alles erledigt ist.
Das Problem: Der Zustand „alles erledigt“ tritt fast nie vollständig ein.
Dadurch pendeln viele zwischen:
● Hochaktivierung,
● Überfunktionieren,
● Multitasking,
● und anschließendem totalen Erschöpfungsbedürfnis.
Warum brauchen viele ADHS-Frauen danach beruhigende Tätigkeiten?
Weil das Nervensystem oft lange überaktiviert war.
Nach Phasen von:
● Reizüberflutung,
● Multitasking,
● sozialer Anpassung,
● Konzentration,
● emotionaler Kontrolle
entsteht häufig ein starkes Bedürfnis nach Downregulation.
Dann helfen oft:
● Serien,
● Musik,
● Duschen,
● Hautpflege,
● Lesen,
● Gartenarbeit,
● Gaming,
● Bewegung,
● Ruhe,
● kreative Tätigkeiten.
Nicht selten wirken diese Dinge fast „therapeutisch“, weil sie helfen, das Nervensystem wieder zu regulieren.
Das Entscheidende: Viele Strategien entstehen intuitiv
Viele Frauen mit ADHS entwickeln diese Muster lange bevor sie wissen, dass sie ADHS haben.
Sie beobachten unbewusst:
● was sie wach hält,
● was sie beruhigt,
● was sie leistungsfähig macht,
● was Überforderung reduziert.
Deshalb wirken viele ADHS-Frauen extrem kompetent im Selbstmanagement.
Doch oft steckt dahinter kein „perfektes Funktionieren“, sondern ein jahrelang trainiertes Regulationssystem.
Und genau deshalb sind viele Frauen nach einer Diagnose gleichzeitig:
● erleichtert,
● traurig,
● beeindruckt von sich selbst,
● und erschöpft davon, wie lange sie alles alleine kompensiert haben.




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