ADHS bei Frauen: Warum Laufen oft entspannender wirkt als Yoga 🏃🏃➡️
- andrea maierhofer
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Andrea Maierhofer, 11.6.2026, (3 Min Lesezeit)
„Nach dem Joggen bin ich entspannt – nach Yoga unruhig. Warum?“
Viele Frauen mit ADHS machen eine überraschende Erfahrung: Während Freundinnen von Yoga, Meditation oder Atemübungen schwärmen, fühlen sie sich auf der Yogamatte eher angespannt als entspannt.
Statt innerer Ruhe entstehen Gedankenkarusselle, Unruhe oder sogar Frustration.
Gleichzeitig berichten viele, dass sie nach einem Lauf, einer Wanderung oder einem intensiven Training plötzlich ruhig, ausgeglichen und fokussiert sind.
Wie kann es sein, dass Bewegung beruhigt, während klassische Entspannungstechniken manchmal das Gegenteil bewirken?
Die Antwort liegt häufig in der besonderen Art, wie das ADHS-Gehirn Aufmerksamkeit, Reize und Aktivierung reguliert.
ADHS ist keine Aufmerksamkeitsstörung – sondern eine Störung der Aufmerksamkeitsregulation
ADHS wird oft als Aufmerksamkeitsdefizit bezeichnet. Tatsächlich haben viele Betroffene nicht zu wenig Aufmerksamkeit, sondern Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit zu steuern.
Das Gehirn sucht ständig nach einem optimalen Aktivierungsniveau. Ist die Stimulation zu gering, entstehen häufig:
● innere Unruhe
● Ablenkbarkeit
● Tagträumen
● Grübeln
● das Bedürfnis nach neuen Reizen
Viele Frauen kennen das Gefühl:
„Mein Kopf kommt einfach nicht zur Ruhe, wenn nichts passiert.“
Genau deshalb funktionieren klassische Entspannungsempfehlungen nicht für alle gleichermaßen.
Warum Yoga bei ADHS nicht immer entspannend wirkt
Yoga kann für viele Menschen sehr hilfreich sein. Bei Frauen mit unbehandelter oder unerkannt gebliebener ADHS wird die Yogamatte jedoch manchmal zum Ort, an dem die innere Unruhe erstmals deutlich spürbar wird.
Das Gehirn verliert seine Beschäftigung
Im Alltag wird das Gehirn ständig beschäftigt durch:
● Arbeit
● Familie
● Termine
● Gespräche
● digitale Medien
Fällt diese äußere Struktur weg, entsteht plötzlich Raum für alles, was vorher überdeckt wurde:
● Grübelschleifen
● Erinnerungen
● Zukunftssorgen
● To-do-Listen
● innere Dialoge
Viele Frauen berichten:
„Erst als ich still auf der Matte lag, habe ich gemerkt, wie laut mein Kopf eigentlich ist.“
Zu wenig Stimulation
Langsame Yogaformen setzen auf:
● Ruhe
● Langsamkeit
● Beobachtung
● bewusstes Atmen
Für manche ADHS-Gehirne bedeutet das jedoch nicht Entspannung, sondern Unterforderung.
Die Folge:
● Gedanken schweifen ab
● Unruhe nimmt zu
● Konzentration fällt schwer
● die Zeit scheint nicht zu vergehen
Körperliche Ruhe bedeutet nicht automatisch innere Ruhe.
Viele Frauen mit ADHS regulieren Stress unbewusst über Aktivität.
Bewegung hilft dabei:
● Spannung abzubauen
● Emotionen zu verarbeiten
● überschüssige Energie loszuwerden
● den Kopf zu ordnen
Wenn diese Möglichkeit plötzlich wegfällt, wird die innere Unruhe oft erst richtig spürbar.
Warum Laufen das ADHS-Gehirn beruhigen kann
Paradoxerweise finden viele Frauen mit ADHS Entspannung nicht durch weniger Aktivität, sondern durch die richtige Form von Aktivität.
Laufen erfüllt gleich mehrere Bedingungen, die das Nervensystem regulieren können.
Rhythmus beruhigt das Gehirn
Beim Joggen entstehen ständig wiederkehrende Reize:
● Schritt für Schritt
● gleichmäßige Bewegung
● regelmäßige Atmung
● wiederkehrender Bodenkontakt
Dieser Rhythmus wirkt für viele Menschen mit ADHS stabilisierend.
Ausreichend Stimulation ohne Überforderung
Beim Laufen passiert genug, damit das Gehirn beschäftigt bleibt:
● Körperwahrnehmung
● Umgebung
● Bewegung
● Atmung
Gleichzeitig entstehen nicht so viele Reize, dass Überforderung entsteht.
Viele beschreiben es als eine Art „aktive Meditation“.
Weniger Grübeln
Weil Aufmerksamkeit auf den Körper gelenkt wird, bleibt oft weniger Raum für:
● Sorgen
● Gedankenspiralen
● innere Dialoge
Viele Betroffene berichten:
„Beim Laufen wird mein Kopf endlich leiser.“
Positive Effekte auf Neurotransmitter
Körperliche Aktivität beeinflusst verschiedene Botenstoffe, darunter:
● Dopamin
● Noradrenalin
● Serotonin
● Endorphine
Gerade Dopamin und Noradrenalin spielen auch bei ADHS eine wichtige Rolle. Das könnte erklären, warum viele Menschen nach sportlicher Aktivität konzentrierter und ausgeglichener sind.
Warum manche Frauen lieber gehen als meditieren
Nicht jede Frau mit ADHS wird zur Läuferin. Das Grundprinzip bleibt jedoch oft dasselbe:
Das Nervensystem benötigt ausreichend Aktivierung, bevor Entspannung möglich wird.
Deshalb profitieren viele von:
● zügigem Gehen
● Wandern
● Nordic Walking
● Tanzen
● Krafttraining
● dynamischen Yogaformen
● Bewegung in der Natur
Diese Aktivitäten kombinieren Bewegung, Rhythmus und sensorische Rückmeldung – Faktoren, die vielen ADHS-Gehirnen helfen, in einen ausgeglichenen Zustand zu gelangen.
Das Paradox bei ADHS: Erst Bewegung, dann Ruhe
Ein häufiger Irrtum lautet:
„Wer gestresst ist, sollte sich hinsetzen und entspannen.“
Für viele Frauen mit ADHS funktioniert das Nervensystem anders.
Ruhe entsteht häufig nicht durch sofortiges Stillwerden, sondern erst nachdem ausreichend Bewegung, Rhythmus und Aktivierung stattgefunden haben.
Deshalb berichten viele:
● Nach 45 Minuten Joggen: entspannt.
● Nach 45 Minuten Meditation: unruhig.
Nicht weil sie sich nicht entspannen können, sondern weil ihr Gehirn zunächst die richtige Art von Stimulation benötigt.
Fazit
Wenn Yoga für Sie nicht entspannend wirkt, bedeutet das nicht, dass Sie etwas falsch machen. Viele Frauen mit ADHS erleben klassische Entspannungstechniken anders als neurotypische Menschen.
Oft beruhigt sich das Nervensystem nicht durch weniger Reize, sondern durch die passende Kombination aus Bewegung, Rhythmus und körperlicher Aktivität.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Wie werde ich möglichst still?“
Sondern:
„Welche Form von Aktivität bringt mein Nervensystem ins Gleichgewicht?“




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