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ADHS bei Mädchen: Warum laute und impulsive Mädchen oft missverstanden wurden 🎺🎺🎺

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 1. Juli
  • 4 Min. Lesezeit
Miss Noisy
Miss Noisy

Andrea Maierhofer, 01.07.2026, (4 Min Lesezeit)







Wenn über ADHS bei Mädchen gesprochen wird, denken viele zunächst an stille, verträumte Kinder. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Es gab auch die Mädchen, die laut, impulsiv und voller Energie waren – und die gerade deshalb ständig auffielen.


Sie redeten ohne Pause, platzten mit Antworten heraus und hatten scheinbar unendlich viele Ideen. Im Unterricht fiel es ihnen schwer, stillzusitzen oder sich länger auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Viele Erwachsene beschrieben sie als „anstrengend“, „vorlaut“ oder „chaotisch“.


Was damals jedoch nur wenige erkannten: Hinter diesem Verhalten steckte oft kein mangelnder Wille oder schlechte Erziehung, sondern ADHS.



Das Mädchen, das nie stillstand


Schon im Kindergarten oder in der Grundschule schien sie mehr Energie zu haben als andere Kinder.


Sie rannte, redete, fragte, diskutierte und wollte überall gleichzeitig sein. Während andere einen Gedanken verfolgten, war sie gedanklich bereits bei den nächsten fünf Ideen.


Erwachsene beschrieben sie häufig als:


● lebhaft


● temperamentvoll


● frech


● vorlaut


● chaotisch


● unkonzentriert


● impulsiv


Nur selten fragte jemand, ob ihr Gehirn Informationen vielleicht einfach anders verarbeitet.


Zuhören fiel schwer – obwohl sie es wollte


Von außen wirkte es oft so, als würde sie absichtlich nicht zuhören.


Viele Frauen mit einer späteren ADHS-Diagnose berichten jedoch etwas anderes: Sie wollten aufmerksam sein. Sie wollten dem Gespräch folgen. Doch ihr Gehirn sprang ständig weiter.


Ein einziges Wort konnte eine Erinnerung auslösen. Daraus entstand dann gleich eine neue Idee, dann eine weitere Frage – und schon war der ursprüngliche Gesprächsfaden verloren.


Nicht aus Desinteresse, sondern weil das Gehirn permanent neue Reize verarbeitete.



„Du könntest viel mehr leisten, wenn Du Dich nur ein wenig anstrengen würdest, das machst Du doch absichtlich“


In der Schule zeigte sich häufig ein widersprüchliches Bild.


Viele dieser Mädchen waren intelligent – manche sogar hochbegabt. Trotzdem spiegelten ihre Noten ihr tatsächliches Potenzial oft nicht wider.


Lehrkräfte sagten Sätze wie:


„Wenn sie sich mehr konzentrieren würde, wären die Leistungen deutlich besser.“


Oder:


„Sie kann es eigentlich.“


Damit lagen sie teilweise richtig. Das Problem war nicht die Begabung, sondern die Umsetzung.


Typische Schwierigkeiten waren:


● Hausaufgaben vergessen


● Arbeitsblätter verlieren


● Aufgaben zu schnell bearbeiten und Flüchtigkeitsfehler machen


● sich leicht ablenken lassen


Für die Mädchen selbst war das häufig besonders frustrierend. Sie wussten oft, dass sie mehr leisten könnten – schafften es aber nicht zuverlässig.



Wenn Impulsivität zu Konflikten führt


Impulsivität beeinflusst nicht nur den Schulalltag, sondern auch Freundschaften.


Viele Frauen erinnern sich daran, dass sie als Kinder häufig:


● andere unterbrachen


● dazwischenredeten


● ungefragt ihre Meinung sagten


● Regeln infrage stellten


● sehr emotional reagierten


● dominant wirkten, obwohl sie das gar nicht beabsichtigten


Dadurch entstanden immer wieder Missverständnisse und Konflikte.


Manche Mitschüler fanden sie witzig und mitreißend, andere empfanden sie als anstrengend.



Wenn „Du bist nervig“ zum Selbstbild wird


Kinder übernehmen häufig die Botschaften, die sie immer wieder hören.


Wenn ein Mädchen regelmäßig Sätze hört wie:


● „Du bist so laut.“


● „Du bist anstrengend.“


● „Du nervst.“


● „Jetzt reicht es aber.“


entwickelt sich daraus leicht ein negatives Selbstbild.


Mit der Zeit denkt das Kind nicht mehr: „Mein Verhalten ist manchmal schwierig.“


Sondern: „Ich bin schwierig.“


Dieser Unterschied ist entscheidend. Kinder trennen ihr Verhalten oft nicht von ihrem eigenen Wert.



Freundschaften waren nicht immer leicht


Viele Mädchen mit ADHS waren kontaktfreudig und lernten schnell neue Menschen kennen.


Doch enge und dauerhafte Freundschaften waren manchmal schwieriger.


Anfangs wurden sie oft für ihre Spontaneität, ihren Humor und ihre Begeisterungsfähigkeit geschätzt. Mit der Zeit konnten ihre Impulsivität und ihre emotionale Art Beziehungen jedoch belasten.


Viele machten deshalb schmerzhafte Erfahrungen.


Sie fühlten sich:


● zu laut


● zu direkt


● zu emotional


● zu präsent


Das Gefühl, „immer ein bisschen zu viel“ zu sein, begleitet viele Frauen noch bis ins Erwachsenenalter.


Hinter der lauten Fassade steckte oft ein sensibles Kind.


Nach außen wirkten viele dieser Mädchen selbstbewusst und schlagfertig.


Innerlich sah es häufig ganz anders aus.


Ablehnung traf sie oft besonders stark! Kritik blieb lange im Gedächtnis! Jeder Ausschluss bestätigte die Sorge: „Mit mir stimmt etwas nicht.“


Viele entwickelten deshalb zwei Seiten.


Nach außen waren sie laut, witzig und energiegeladen.


Innerlich waren sie unsicher und sehnten sich nach Akzeptanz.



Warum Eltern häufig ratlos waren


Auch für Eltern war die Situation oft belastend.


Sie erhielten Rückmeldungen aus der Schule, mussten Konflikte lösen und hörten immer wieder Beschwerden über das Verhalten ihrer Tochter.


Viele versuchten, die Situation mit strengeren Regeln oder mehr Konsequenz zu verbessern.


Doch ADHS verschwindet nicht durch Ermahnungen!


So entstand häufig Frust auf beiden Seiten.


Die Eltern verstanden nicht, warum ihre Tochter dieselben Fehler immer wieder machte.


Die Tochter verstand nicht, warum sie ständig kritisiert wurde.


Hinter den Schwierigkeiten steckten oft besondere Stärken


Was viele Erwachsene damals übersahen: Genau die Eigenschaften, die Probleme bereiteten, waren häufig auch große Stärken.


Viele Mädchen mit ADHS waren:


● kreativ


● neugierig


● mutig


● spontan


● humorvoll


● ideenreich


● begeisterungsfähig


● stark ausgeprägt im Gerechtigkeitsempfinden


Sie stellten Fragen, die andere nicht stellten.


Sie brachten neue Ideen ein.


Sie begeisterten andere mit ihrer Energie.


Leider wurden diese Stärken oft von den Schwierigkeiten überdeckt.



Was verständnisvolle Erwachsene bewirken können


Verständnisvolle Eltern und Lehrkräfte hätten ADHS nicht verschwinden lassen können.


Sie hätten jedoch entscheidend dazu beitragen können, dass das Mädchen ein gesundes Selbstbild entwickelt.


Statt:


„Du bist anstrengend.“


hätte sie hören können:


„Du hast viel Energie – und wir helfen dir, einen guten Umgang damit zu finden.“


Statt:


„Du nervst alle.“


wäre möglich gewesen:


„Du bist begeistert und manchmal fällt es dir schwer, den richtigen Moment abzupassen.“


Solche Botschaften machen einen großen Unterschied. Kinder entwickeln ihr Selbstbild aus dem, was sie immer wieder über sich hören.



Fazit: Hinter dem „schwierigen“ Mädchen steckte oft ein unverstandenes Kind


Nicht jedes Mädchen mit ADHS war still, verträumt oder schüchtern.


Viele waren laut, impulsiv, neugierig und voller Tatendrang. Sie fielen auf – allerdings häufig nur wegen ihres Verhaltens, nicht wegen der Ursache dahinter.


Heute wissen wir, dass ADHS bei Mädchen ganz unterschiedliche Gesichter haben kann. Manche Mädchen ziehen sich zurück, andere stehen ständig im Mittelpunkt. Beide Ausprägungen können Ausdruck derselben neurobiologischen Besonderheit sein.


Hinter vielen vermeintlich „anstrengenden“ Mädchen steckte kein mangelnder Wille und keine schlechte Erziehung, sondern ein Gehirn, das Reize, Gedanken und Emotionen anders verarbeitet.


Und hinter ihrer Lautstärke verbarg sich oft ein kluges, sensibles und energiegeladenes Kind, das sich vor allem eines wünschte: endlich verstanden zu werden.








gif
Immer zu laut, zu viel, zu nervig,....

 
 
 

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