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ADHS und PMDS bei Frauen: Wenn der Zyklus die Symptome verstärkt ⛈️⛈️⛈️

Autorenbild: andrea maierhofer
andrea maierhofer
30. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.


Zyklus
Zyklus

Andrea Maierhofer, 30.09.2026, (5 Min Lesezeit auch aus Studien)








An manchen Tagen gelingt der Alltag: Termine, Arbeit und Familie lassen sich organisieren. Dann verändert sich innerhalb weniger Tage alles. Die Konzentration lässt nach, Kleinigkeiten werden unerträglich, Tränen kommen schneller. Es entsteht das Gefühl, nichts mehr zu schaffen. Mit Beginn der Menstruation wird es wieder leichter.


Frauen mit ADHS beschreiben solche wiederkehrenden Veränderungen. Dahinter kann eine prämenstruelle Verstärkung der ADHS stehen. Bei ausgeprägten Stimmungssymptomen sollte auch an PMDS – die prämenstruelle dysphorische Störung – gedacht werden. Besonders in der Perimenopause können hormonelle Schwankungen, Schlafprobleme und bestehende ADHS-Beschwerden schwer auseinanderzuhalten sein.


Was ist PMDS – und woran erkennt man sie?


PMDS, international PMDD genannt, ist eine schwere zyklusabhängige Störung. Im Vordergrund stehen psychische Beschwerden, die Arbeit, Beziehungen und Alltag deutlich beeinträchtigen. Typisch sind:


● starke Reizbarkeit, Wut oder vermehrte Konflikte


● depressive Stimmung, Hoffnungslosigkeit oder Selbstabwertung


● Angst und innere Anspannung


● ausgeprägte Stimmungsschwankungen und erhöhte Verletzlichkeit


● Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und das Gefühl, überfordert zu sein


● Veränderungen von Schlaf oder Appetit sowie körperliche Beschwerden


Entscheidend ist das zeitliche Muster: Die Symptome treten nach dem Eisprung auf, häufig besonders stark in der letzten Woche vor der Menstruation.


Innerhalb weniger Tage nach Blutungsbeginn bessern sie sich deutlich. In der Woche danach sind die PMDS-Beschwerden weitgehend abgeklungen.


Für die Diagnose müssen mehrere Symptome zusammenkommen, darunter mindestens ein zentrales Stimmungssymptom. Eine einzelne gereizte Woche reicht dafür nicht aus. [1, 2]


Warum können normale Hormonschwankungen so viel auslösen?


Bei PMDS sind die Hormonwerte nicht zwangsläufig auffällig. Die Forschung spricht vielmehr dafür, dass betroffene Frauen empfindlicher auf die normalen Veränderungen von Östrogen und Progesteron reagieren. Ein unauffälliger Hormonbefund schließt PMDS deshalb nicht aus. [3]


Diese Hormone beeinflussen auch Vorgänge im Gehirn, etwa die Verarbeitung von Stress, Stimmung und Aufmerksamkeit. Bei ADHS wird untersucht, wie hormonelle Veränderungen mit der Regulation von Botenstoffen wie Dopamin zusammenwirken.

Wie genau sich daraus bei einzelnen Frauen stärkere Symptome oder eine veränderte Medikamentenwirkung ergeben, ist noch nicht ausreichend geklärt. [4]


Für Betroffene kann das Wissen um den Zusammenhang entlastend sein: Ein wiederkehrender Einbruch verdient eine medizinische Abklärung. Sich jeden Monat noch stärker zusammenzureißen, ist keine ausreichende Behandlung.


ADHS und PMDS: Was zeigt die Forschung?


Eine 2025 veröffentlichte Befragung von 715 Frauen zwischen 18 und 34 Jahren fand deutlich häufiger Hinweise auf PMDS bei Frauen mit ADHS. Bei selbstberichteter ärztlicher ADHS-Diagnose erfüllten 31,4 Prozent die Screeningkriterien für eine vorläufige PMDS, gegenüber 9,8 Prozent in der Vergleichsgruppe. Bei Frauen, die einen ADHS-Schwellenwert anhand von Symptomen und Beeinträchtigung erreichten, waren es 41,1 Prozent. [2]


Diese Zahlen beschreiben Screeningbefunde, keine durch tägliche Verlaufsaufzeichnungen bestätigten Diagnosen. Die Studie beweist auch nicht, dass ADHS PMDS verursacht.

Sie liefert aber einen wichtigen Anlass, bei Frauen mit ADHS gezielt nach zyklischen Stimmungseinbrüchen zu fragen.


PMDS oder prämenstruelle Verstärkung der ADHS?


Nicht jede Verschlechterung vor der Periode ist PMDS. Für die Behandlung ist die Unterscheidung wesentlich:


Bei PMDS treten zusätzliche ausgeprägte Stimmungssymptome in einem wiederkehrenden Zyklusmuster auf und klingen nach der Menstruation weitgehend ab.


Bei einer prämenstruellen Verstärkung, auch PME genannt, bestehen Beschwerden bereits während des übrigen Monats und nehmen vor der Menstruation zu. Das kann ADHS, Depression oder eine Angststörung betreffen.


Beides kann auch zusammen vorkommen: Eine Frau kann durchgehend ADHS-Symptome haben und zusätzlich unter PMDS leiden. Die beschwerdearme Phase bezieht sich dann auf die PMDS-Symptome, nicht darauf, dass die ADHS verschwinden müsste. [2, 5]


Wie wird PMDS zuverlässig diagnostiziert?


Die Erinnerung „Vor der Periode geht es mir immer schlecht“ ist ein wichtiger Hinweis.

Für eine verlässliche Diagnose sollten die Beschwerden jedoch täglich über mindestens zwei Menstruationszyklen dokumentiert werden. Ein standardisiertes Instrument ist der „Daily Record of Severity of Problems“, kurz DRSP. [5]


Zusätzlich können Frauen mit ADHS kurz notieren:


1. Blutungsbeginn und Zyklustag


2. Stimmung, Reizbarkeit und Angst


3. Konzentration und Organisation


4. Schlaf und Erschöpfung


5. körperliche Beschwerden


6. Einnahme, wahrgenommene Wirkdauer und Nebenwirkungen der Medikation


7. Auswirkungen auf Arbeit, Beziehungen und Alltag


Eine einfache Skala und ein fester Zeitpunkt machen das Protokoll überschaubar.

Auch gute Tage gehören hinein: Erst der gesamte Verlauf zeigt, ob ein zyklisches Muster besteht.


Was kann bei ADHS und PMDS helfen?


Die Behandlung richtet sich danach, welche Beschwerden vorliegen. Eine gut behandelte ADHS bedeutet nicht automatisch, dass auch eine zusätzliche PMDS ausreichend behandelt ist.


Medikamente gegen PMDS


Zu den etablierten Möglichkeiten gehören bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI. Sie können auch bei PMDS ohne zusätzliche dauerhaft bestehende Depression helfen. Je nach Befund werden sie durchgehend oder nur in einer ärztlich festgelegten Zyklusphase eingesetzt. [1, 5]


Gynäkologische Behandlung


Bestimmte kombinierte hormonelle Verhütungsmittel können PMDS lindern. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von Verhütungswunsch, Vorerkrankungen, Risiken und Verträglichkeit ab. Hormonelle Präparate können die Stimmung unterschiedlich beeinflussen; der Verlauf sollte deshalb mitbeobachtet werden. [5]


Psychotherapie und Unterstützung im Alltag


Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, mit Beschwerden, Konflikten und belastenden Gedanken umzugehen.

Ergänzend können regelmäßiger Schlaf, Bewegung und eine realistische Planung für besonders belastete Tage unterstützen.

Diese Maßnahmen sind Teil einer Behandlung; ausgeprägte PMDS sollte nicht allein mit Alltagstipps beantwortet werden. [1, 5]


Warum scheinen ADHS-Medikamente vor der Periode weniger zu wirken?


Manche Frauen erleben trotz unveränderter Einnahme mehr Unaufmerksamkeit, Reizbarkeit oder Erschöpfung. Dabei können sich mehrere Faktoren überlagern: eine Verstärkung der ADHS, zusätzliche PMDS-Symptome und schlechterer Schlaf.


Eine kleine Fallserie mit neun Frauen berichtete Verbesserungen nach individuell angepasster Stimulanzdosis in der prämenstruellen Phase. Wegen der kleinen Teilnehmerzahl und fehlenden Kontrollgruppe lässt sich daraus kein allgemeiner Dosierungsplan ableiten. [4]


Eine Anpassung kann im Einzelfall erwogen werden. Sie gehört in ärztliche Begleitung und ersetzt keine gezielte PMDS-Behandlung. Entscheidend ist zunächst, welche Symptome schlechter geworden sind.


Was verändert sich in der Perimenopause?


In der Übergangszeit vor der Menopause werden hormonelle Schwankungen und Blutungen häufig unregelmäßiger.

Hinzu kommen möglicherweise Hitzewallungen, nächtliches Erwachen und Erschöpfung. Dadurch kann es schwieriger werden, zyklusabhängige Stimmungssymptome von einer anhaltenden Verschlechterung zu unterscheiden.

Bei Frauen mit ADHS sollten deshalb Zyklus, Schlaf, Stimmung und Medikamentenwirkung gemeinsam betrachtet werden. [6]


PMDS ist an den hormonellen Zyklus gebunden. Nach der natürlichen Menopause entfallen die typischen zyklischen Auslöser gewöhnlich. Fortbestehende Depression, Angst oder Konzentrationsprobleme sollten eigenständig abgeklärt werden. Eine Hormontherapie kann bei passender gynäkologischer Indikation menopausale Beschwerden lindern; als gezielte ADHS-Behandlung ist sie bislang nicht ausreichend belegt. [5, 6]


Wiederkehrende Einbrüche verdienen gezielte Hilfe


Wer Monat für Monat stark gereizt, verzweifelt oder kaum belastbar ist, muss das nicht als unvermeidlichen Teil der Menstruation hinnehmen.

PMDS lässt sich abklären und behandeln.

Bei Frauen mit ADHS lohnt es sich besonders, nach dem zeitlichen Muster zu fragen.


Ein Zyklusprotokoll und eine abgestimmte psychiatrische und gynäkologische Behandlung können helfen, die Beschwerden besser zu verstehen und gezielt zu lindern.


Bei Suizidgedanken oder akuter Selbstgefährdung ist sofortige Hilfe erforderlich – unabhängig von der Zyklusphase. In Österreich ist die Rettung unter 144 erreichbar.


Quellen


1. ACOG: Management of Premenstrual Disorders. Clinical Practice Guideline, 2023; ergänzend Patientinneninformation zu PMDS.


2. Broughton et al.: Increased risk of provisional premenstrual dysphoric disorder among females with ADHD. British Journal of Psychiatry, 2025.


3. NIMH: Sex Hormone–Sensitive Gene Complex Linked to Premenstrual Mood Disorder, 2017.


4. de Jong et al.: Female-specific pharmacotherapy in ADHD: premenstrual adjustment of psychostimulant dosage. Frontiers in Psychiatry, 2023.


5. RCOG: Management of Premenstrual Syndrome. Green-top Guideline, 2017.


6. Wynchank und Kooij: Pharmacological Management of ADHD in Women Across Perimenopause, Menopause and Post-Menopause. Drugs & Aging, 2026.








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