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ADHS und Spielsucht: Warum Männer häufiger betroffen sind – und Frauen übersehen werden 🎲🎲🎲

Autorenbild: andrea maierhofer
andrea maierhofer
1. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.


Heute ist mein Glückstag!
Heute ist mein Glückstag!

Andrea Maierhofer, 01.10.2026, (4 Min Lesezeit)








Wie Glücksspiel zur Selbstregulation dient und warum das Risiko bei Frauen übersehen werden kann.


„Nur noch eine Runde.“ „Diesmal gewinne ich das Geld zurück.“ „Beim Spielen kann ich endlich abschalten.“


Hinter diesen Sätzen können ganz unterschiedliche Bedürfnisse stehen: Spannung, Erfolg, Ablenkung oder eine Pause von der eigenen inneren Unruhe. Für manche Menschen mit ADHS wird Spielen deshalb besonders anziehend.

Problematisch wird es, wenn aus einer Freizeitbeschäftigung ein Verhalten wird, das sich kaum noch steuern lässt.


Männer sind bei problematischem Glücksspiel häufiger vertreten.

Daraus entsteht leicht ein falscher Schluss: Frauen mit ADHS hätten dieses Risiko nicht.

Doch auch Frauen können eine Glücksspiel- oder Gaming-Störung entwickeln. Ihre Probleme werden möglicherweise nur anders sichtbar.


Warum Spielen bei ADHS so anziehend sein kann


Warten, monotone Aufgaben und Belohnungen, die erst irgendwann eintreten: Das kann für Menschen mit ADHS besonders schwierig sein.


Spiele bieten das Gegenteil. Etwas passiert sofort. Eine Entscheidung führt zu einer Reaktion, eine neue Runde verspricht eine neue Chance.


Beim Glücksspiel kommt die Unvorhersehbarkeit hinzu: Vielleicht bringt der nächste Einsatz den Gewinn. Gerade diese Unsicherheit kann dazu beitragen, immer weiterzuspielen.


Das lässt sich nicht auf „zu wenig Dopamin“ reduzieren. Belohnungsverarbeitung, Impulsivität, Schwierigkeiten mit Selbststeuerung und der Umgang mit unangenehmen Gefühlen können zusammenwirken. ADHS bedeutet dabei keine zwangsläufige Suchtentwicklung.


In einer klinischen Untersuchung waren stärkere ADHS-Symptome mit einer schwereren Glücksspielproblematik und stärkerer psychischer Belastung verbunden. Ein solcher Zusammenhang beweist allerdings nicht, dass ADHS allein die Ursache ist.


Warum Männer häufiger auffallen


Die Erklärung liegt wahrscheinlich in mehreren Faktoren – nicht in einem einzigen „männlichen ADHS-Gehirn“.


Bei Burschen und Männern werden im Durchschnitt häufiger nach außen gerichtete Symptome wie sichtbare Hyperaktivität und Impulsivität beschrieben.

Solche Schwierigkeiten können riskantes Verhalten begünstigen.

Konkurrenzorientierung und Risikobereitschaft sind jedoch keine ADHS-Diagnosemerkmale und keine festen männlichen Eigenschaften.


Auch die Gelegenheit spielt eine Rolle. Wer früh mit Wetten oder anderen Glücksspielen beginnt, hat mehr Zeit, problematische Gewohnheiten zu entwickeln.

In einer großen Bevölkerungsstudie war ein früher Glücksspielbeginn ein wichtiger Risikofaktor.


Dazu kommen soziale Einflüsse: Wenn Wetten zum gemeinsamen Fußballabend gehört, erscheint es zunächst als normale Freizeitbeschäftigung. Grenzen können sich schleichend verschieben. Aus gelegentlichen Einsätzen werden regelmäßige Wetten, aus Unterhaltung wird das Bedürfnis, Verluste wieder auszugleichen.


Spielen, um etwas zu spüren – oder um nichts mehr zu spüren


Nicht alle Menschen spielen aus demselben Grund. Manche suchen Spannung, Wettbewerb und das Gefühl, zu gewinnen. Andere suchen vor allem Entlastung.


Ein Spiel kann die Aufmerksamkeit so stark binden, dass Sorgen, Einsamkeit oder Überforderung vorübergehend in den Hintergrund treten. Das ist für Menschen attraktiv, deren Alltag sich ständig anstrengend anfühlt.


In Untersuchungen zeigen sich teilweise unterschiedliche Spielmotive bei Männern und Frauen.

Die Überschneidungen sind aber groß: Auch Männer spielen zur Flucht vor Belastungen, und auch Frauen suchen Nervenkitzel.


Für die Behandlung ist deshalb die persönliche Frage entscheidend: Was gibt mir das Spielen, das mir im übrigen Leben gerade fehlt?


Warum Glücksspielprobleme bei Frauen übersehen werden können


Wer bei Spielsucht automatisch an einen Mann am Spielautomaten denkt, fragt bei einer erschöpften, berufstätigen Frau vielleicht gar nicht danach.


Dabei braucht Glücksspiel heute weder ein Wettlokal noch ein Casino. Es kann am Smartphone stattfinden – zu Hause, unbemerkt und jederzeit verfügbar.


Scham und die Angst vor Verurteilung können dazu führen, dass Betroffene ihr Verhalten verschweigen. Wenn gleichzeitig Angst, Depression oder Schlafprobleme bestehen, kann sich die Aufmerksamkeit zunächst darauf richten.

Ob Frauen mit ADHS tatsächlich systematisch später wegen Glücksspielproblemen erkannt werden, lässt sich aus den bisherigen Studien jedoch nicht pauschal ableiten.


Ebenso vorsichtig sollte man mit der Behauptung sein, Frauen würden ihre ADHS grundsätzlich durch Essen, Kaufen oder Social Media regulieren. Solche Verhaltensweisen können problematisch werden, sind aber weder ausschließlich weiblich noch automatisch eine Sucht.


Werden Frauen schneller abhängig?


Manche Behandlungsstudien beschreiben einen sogenannten „Telescoping-Effekt“: Frauen begannen später mit Glücksspiel, erreichten aber schneller eine problematische Phase.


Das ist keine allgemeingültige Regel. Eine große Bevölkerungsstudie konnte diesen Verlauf nicht bestätigen. Ergebnisse aus Behandlungseinrichtungen lassen sich also nicht ohne Weiteres auf alle spielenden Frauen übertragen.


Für die einzelne Betroffene zählt ohnehin weniger der statistische Verlauf als die Frage: Verliere ich gerade die Kontrolle?


Glücksspiel und Gaming sind nicht dasselbe


Bei Glücksspiel wird Geld oder etwas Wertvolles auf einen ungewissen Ausgang gesetzt. Bei Gaming steht das Spielen digitaler Spiele im Vordergrund. Beide können problematisch werden, sind aber unterschiedliche Störungen.


Auch stundenlanges Spielen bedeutet noch nicht automatisch eine Gaming-Störung. Entscheidend sind Kontrollverlust, eine zunehmende Vorrangstellung des Spielens und das Weiterspielen trotz erheblicher negativer Folgen (Definition von Sucht).


Wann aus Spielen ein Problem wird


Warnzeichen sind beispielsweise:


● Wiederholt länger spielen oder mehr Geld einsetzen als geplant.


● Verluste durch weitere Einsätze „zurückholen“ wollen.


● Spielzeiten, Ausgaben oder Schulden verheimlichen.


● Schlaf, Arbeit, Beziehungen oder andere Verpflichtungen vernachlässigen.


● Trotz negativer Folgen und wiederholter Vorsätze weiterspielen.


Man muss nicht warten, bis Schulden oder eine massive Krise entstehen. Eine psychiatrische oder suchttherapeutische Abklärung kann bereits bei beginnendem Kontrollverlust sinnvoll sein.


Was helfen kann


Hilfreich ist, sowohl das Spielverhalten als auch seine Funktion zu verstehen: Geht es um Spannung, innere Unruhe, Einsamkeit oder die Flucht vor Überforderung?


Zur Behandlung können Psychotherapie, Suchtberatung und konkrete Schutzmaßnahmen wie Spielersperren oder Einschränkungen des Zugangs zu Geld gehören. Wenn ADHS besteht, sollte es mitbehandelt werden. Eine ADHS-Behandlung ersetzt jedoch keine gezielte Behandlung der Glücksspielstörung.


Frauen sollten nach Glücksspiel genauso selbstverständlich gefragt werden wie Männer. Denn ein Problem, mit dem niemand rechnet, bleibt leichter verborgen.









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