Aufgewachsen in einer suchtbelasteten Familie - Auswirkungen im Erwachsenalter đŸ
- andrea maierhofer
- 24. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Andrea Maierhofer, 24.1.2026, (3 min Lesezeit)
Alkohol und Medikamente die prÀgen viele Kindheiten, denn in vielen Familien ist Sucht kein Randthema, Einzelschicksal, sondern Alltag.
Nicht laut benannt, nicht offen diskutiert â aber allgegenwĂ€rtig.
Ein hÀufiges Szenario:
Vater trinkt regelmĂ€Ăig Alkohol. Mutter trinkt mit, Beruhigungs- oder Schlafmittel werden zusĂ€tzlich eingenommen, unkontrolliert und unvorhersehbar.
Beide funktionieren nach auĂen irgendwie â fĂŒr die Kinder ist nichts verlĂ€sslich.
Leben mit unvorhersehbaren Eltern
Kinder in suchtbelasteten Familien wachsen oft mit einem permanenten GefĂŒhl von Unsicherheit auf.
Typische Erfahrungen:
âą Versprechen werden gemacht â und nicht gehalten
⹠Regeln Àndern sich tÀglich
âą Stimmung kann jederzeit kippen
âą Zuneigung und Ablehnung wechseln abrupt
âą NĂ€he fĂŒhlt sich nie wirklich sicher an
Eltern sind emotional impulsiv, inkonsequent, manchmal liebevoll, dann wieder kalt, gereizt oder abwesend.
FĂŒr Kinder bedeutet das: stĂ€ndige Alarmbereitschaft.
Parentifizierung: Wenn Kinder zu Erwachsenen werden (mĂŒssen)
Viele dieser Kinder ĂŒbernehmen frĂŒh Verantwortung:
âą fĂŒr jĂŒngere Geschwister
âą fĂŒr die Stimmung der Eltern
âą fĂŒr den Haushalt
âą fĂŒr âFunktionieren nach auĂenâ
Sie lernen: âIch darf keine Probleme machen.â
Eigene BedĂŒrfnisse werden zurĂŒckgestellt, GefĂŒhle kontrolliert oder abgespalten.
Das Kind wird angepasst â nicht, weil es will, sondern weil es muss.
Scham, Isolation und soziale Ausgrenzung
Scham ist ein zentrales GefĂŒhl suchtbelasteter Kindheiten.
âą Freunde werden nicht eingeladen
âą Geburtstage werden vermieden
âą das Zuhause soll niemand sehen
âą es gibt Angst, dass âetwas passiertâ
In der Schule erleben viele:
âą bemitleidende Blicke von Lehrpersonen
âą Ausgrenzung oder Unsicherheit im Freundeskreis
âą Stigmatisierung (âDas ist doch der mit dem Alkoholiker-Vaterâ)
Das GefĂŒhl, anders zu sein, prĂ€gt sich tief ein.
Wie sind diese Kinder als Erwachsene?
Viele wirken nach auĂen stabil, leistungsfĂ€hig, kontrolliert.
Innerlich zeigen sich jedoch hÀufig:
âą Schwierigkeiten, GefĂŒhle wahrzunehmen
âą ĂŒberhöhte Selbstverantwortung
âą chronische Anspannung
âą starkes KontrollbedĂŒrfnis
âą SchuldgefĂŒhle ohne klaren Anlass
âą Angst, anderen zur Last zu fallen
Viele haben gelernt zu funktionieren â aber nicht zu vertrauen.
Können sie Beziehungen fĂŒhren?
Ja â aber oft nicht ohne innere Konflikte.
HĂ€ufige Beziehungsmuster:
âą Angst vor NĂ€he oder Verlust
âą Ăberanpassung
âą Retter- oder Helferrollen
âą Anziehung zu emotional instabilen Partnern
âą Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen
âą starke Angst vor Konflikten oder Verlassenwerden
Beziehung fĂŒhlt sich oft vertraut an, wenn sie unsicher ist â weil Sicherheit ungewohnt ist.
Welche psychischen Erkrankungen treten gehÀuft auf?
Erwachsene aus suchtbelasteten Familien zeigen ein erhöhtes Risiko fĂŒr:
âą Depressionen
⹠Angststörungen
âą posttraumatische Belastungssymptome (komplexe Traumatisierung)
⹠Somatisierungsstörungen
âą Bindungs- und Selbstwertprobleme
âą Suchterkrankungen
⹠emotionale Regulationsstörungen
Nicht jede betroffene Person erkrankt â aber das Risiko ist deutlich erhöht.
Wie viele werden selbst suchtkrank?
Studien zeigen:
âą Etwa 20â30 % der Kinder aus suchtbelasteten Familien entwickeln im Laufe ihres Lebens selbst eine Suchterkrankung.
⹠Das Risiko ist damit deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung.
Wichtig:
Die Mehrheit wird nicht suchtkrank â vor allem dann, wenn Schutzfaktoren vorhanden sind.
Was hilft erwachsenen Kindern aus suchtbelasteten Familien?
Heilung bedeutet nicht, die Vergangenheit ungeschehen zu machen, sondern sie einzuordnen.
Hilfreich sind:
âą Psychiater, Psychotherapeuten (traumasensibel, bindungsorientiert)
âą Psychoedukation (âWas war normal â was nicht?â)
âą Arbeit an Scham und Selbstwert
âą Erlernen von Grenzen
âą emotionale SelbstfĂŒrsorge
âą Austausch mit anderen Betroffenen
⹠gegebenenfalls psychiatrische Behandlung bei KomorbiditÀten
Ein zentraler Schritt ist oft:
Die Verantwortung dorthin zurĂŒckzugeben, wo sie hingehört, zu den Eltern.
Fazit
Kinder aus suchtbelasteten Familien wachsen oft zu hochangepassten, verantwortungsvollen Erwachsenen heran â mit einem hohen inneren Preis.
Was sie erlebt haben, war real.
Was sie gebraucht hÀtten, war StabilitÀt.
Was sie heute brauchen, ist VerstĂ€ndnis â auch fĂŒr sich selbst.
Heilung beginnt dort, wo das eigene Erleben nicht lÀnger relativiert wird.
Â



Kommentare