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Therapieresistente Depression und Angst: Warum ADHS bis ins Erwachsenenalter oft übersehen wird 🕶️🕶️🕶️

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 30. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Oder ADHS?
Oder ADHS?

Andrea Maierhofer, 30.05.2026, (4 Min Lesezeit)







Bei therapieresistenten Angststörungen und Depressionen, die v. a. in der Lebensmitte eskalieren und bei denen Betroffene primär Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Überforderung und Müdigkeit beschreiben (und weniger „klassische“ gedrückte Stimmung), sollte man immer auch an ADHS denken.


Ebenso sind Patienten die eine lange therapieresistente Leidensgeschichte von Depression oder Angst aufweisen und medikamentöse Behandlung nur kurzfristig oder wenig geholfen hat hochgradig verdächtig auf ADHS – weil ADHS häufig jahrelang kompensiert wird und dann irgendwann „nicht mehr geht“.


Neben Begleiterkrankungen imponieren dann Folgeerkrankungen und oft wird WIEDER NICHT an ADHS gedacht.


Warum ADHS gerade in der Lebensmitte plötzlich sichtbar wird


Viele Betroffene funktionieren bis dahin durch:


● Intelligenz, Ehrgeiz, Pflichtgefühl


● Perfektionismus


● starke Anpassung („Masking“)


● Struktur durch Schule/Studium/Arbeitsrahmen


● äußere Kontrolle durch Partner, Familie, Routine



In der Lebensmitte kommen aber oft mehrere Belastungen und Problemfelder zusammen:



● Karriereverdichtung / mehr Verantwortung / Führungs- und Leitungspositionen


● Kinder, Enkel, Pflege von Angehörigen


● chronischer Schlafmangel


● hormonelle Veränderungen (v. a. Perimenopause! Menopause)


● weniger Energie für Kompensation


● wachsende innere Erschöpfung durch jahrzehntelanges „Zusammenreißen und sich Anpassen“



ADHS ist dann nicht plötzlich neu – sondern die Kompensation bricht zusammen. Das wird subjektiv oft als „Burnout“, „Depression“ oder „Angststörung“ erlebt.



Warum ADHS oft wie Depression oder Angst aussieht



ADHS bei Erwachsenen ist häufig weniger „hyperaktiv“, sondern zeigt sich als:


● innere Unruhe, Nervosität


● ständige Gedankenkreise


● emotionale Überflutung


● Konzentrationsprobleme


● Prokrastination


● Chaos im Alltag


● starke Reizempfindlichkeit


● Schlafprobleme


● Überforderung bei banalen Dingen



Das führt zu einem typischen Bild:
Erschöpfung + Überforderung + Selbstzweifel. "Warum funktioniere ich nicht mehr?"



Die Stimmung ist nicht unbedingt dauerhaft traurig, sondern eher:



● „Ich kann nicht mehr.“


● „Alles ist zu viel.“


● „Ich bin ständig am Limit.“



Das wirkt depressiv – ist aber oft eine chronische Überlastung durch exekutive Dysfunktion.



Warum die Beschwerden oft therapieresistent wirken


Wenn jemand primär ADHS hat, dann greifen klassische Depression-/Angstbehandlungen (Antidepressiva und Medikamente gegen Angststörungen) oft nur begrenzt, weil sie am „Symptom“ arbeiten, nicht am Kernproblem.



Typisch ist:



● Antidepressiva helfen etwas gegen Angst/Anspannung, aber nicht gegen Chaos, Antriebslosigkeit, Überforderung.


● Psychotherapie hilft im Verstehen, aber Alltag bleibt trotzdem unorganisiert.


● Betroffene scheitern an Therapieaufgaben („Tagebuch“, „Übungen“) und erleben das als weiteres Versagen.



Das verstärkt den Eindruck: „Ich bin nicht therapierbar, nicht einmal das schaffe ich...“ – was wiederum den Selbstwert massiv beschädigt.



Warum das Krankheitsbild und die Folgesymptome nicht immer primär traumainduziert sind



Natürlich kann Trauma ähnliche Symptome machen (Hyperarousal, Konzentrationsstörung, Schlafprobleme, Erschöpfung).


Aber bei ADHS gibt es oft:


● frühen Beginn (seit Kindheit/Jugend erkennbar) und auch Gefühl von Anderssein (immer bei ADHS, fast nie bei Traumapatienten, da eher ich werde nicht verstanden)


● lebenslange Muster von Desorganisation und Impulsivität


● Schul-/Studienprobleme trotz Begabung


● starke emotionale Reaktivität


● wechselnde Interessen, „alles oder nichts“


● Reizoffenheit und Überstimulation



Trauma kann zusätzlich bestehen – aber ADHS ist eine neuroentwicklungsbedingte Vulnerabilität, keine primär psychogene Reaktion.



Ein wichtiger Punkt:
Viele ADHS-Betroffene entwickeln erst sekundär Angst oder Depression, weil sie dauerhaft gegen ihre eigene Neurobiologie leben müssen.



Warum wiederholte Frustrationen sekundär traumatisierend wirken können



ADHS bedeutet oft: Man will, aber man kann nicht zuverlässig.


Das erzeugt wiederholt Situationen wie:


● Versagen trotz Bemühung


● Kritik für Dinge, die man nicht absichtlich macht


● Scham wegen Vergesslichkeit, Chaos, Zuspätkommen


● Unverständnis („Stell dich nicht so an“)


● Ablehnung wegen Impulsivität oder emotionaler Intensität



Das sind keine einmaligen traumatisierende Erlebnisse, sondern eine chronische Erschütterung des Selbstbildes.


Diese Form wirkt wie ein „leises Trauma“:


● wiederholte Beschämung


● wiederholtes Scheitern


● ständiges Gefühl, falsch zu sein


Das kann zu einer Art komplexer Traumatisierung führen – aber sekundär, nicht als Ursprung.


Viele Betroffene tragen dann nicht das Trauma „eines Ereignisses“, sondern das Trauma von:
„Ich bin anders und offensichtlich nicht richtig.“



Warum fehlende Gruppenzugehörigkeit traumatisierend wirkt


Menschen brauchen Zugehörigkeit nicht als Luxus, sondern als psychisches Grundbedürfnis.


Wenn jemand eingeladen wird, aber sich trotzdem nicht zugehörig fühlt, entsteht eine besondere Form von Schmerz:


● äußerlich akzeptiert


● innerlich ausgeschlossen


Das ist hoch belastend, weil es die Realität widerspricht:
„Alle sagen, ich gehöre dazu – aber ich fühle mich wie ein Fremdkörper.“


Bei ADHS passiert das oft, weil Betroffene:


● soziale Signale anders wahrnehmen


● schnell überreizt sind


● in Gesprächen impulsiver wirken


● „zu viel“ oder „zu wenig“ erscheinen


● häufig das Gefühl haben, nicht mitzuschwingen



Das erzeugt chronische innere Anspannung: „Ich bin dabei, aber nicht wirklich drin.“


Das ist eine Form von sozialem Stress, die langfristig traumatisierend wirken kann.



Warum "Einladungen und Aufforderungen" Misstrauen auslösen


Wenn jemand wiederholt erlebt hat:


● man wird zuerst gemocht und später abgelehnt


● man ist „zu intensiv“, „zu chaotisch“, „zu sensibel“


● man fällt irgendwann negativ auf


dann wird jede Einladung ambivalent.


Das Gehirn lernt:
„Achtung, Nähe ist gefährlich. Wenn sie mich wirklich kennenlernen, lehnen sie mich ab.“


Dann entsteht Misstrauen nicht aus Arroganz, sondern als Schutzmechanismus:


● lieber Distanz als erneute Beschämung


● lieber Rückzug als wieder „enttarnt“ werden



Bei ADHS kommt dazu: Viele haben in Gruppen früher erlebt, dass sie sozial Fehler machen (zu laut, zu nervig, zu still, redet nicht, humorlos,..) , ohne zu verstehen warum. Das macht Einladungen unsicher.


Was das mit dem sozialisiertem Selbstwert zu tun hat


Sozialisierter Selbstwert bedeutet:
„Ich bin wertvoll, wenn ich funktioniere, angepasst bin, angenehm bin.“


ADHS-Betroffene erleben oft früh, dass sie für Spontaneität, Emotionalität oder Vergesslichkeit kritisiert werden. Daraus wird ein inneres Programm:


● „Ich muss mich kontrollieren.“


● „Ich darf nicht auffallen.“


● „Ich muss erst leisten, um dazugehören zu dürfen.“


● „Wenn ich ich selbst bin, bin ich zu viel.“



Das führt dazu, dass Zugehörigkeit nicht als selbstverständlich erlebt wird, sondern als etwas, das man sich verdienen muss.


Und wenn man eingeladen wird, kommt nicht Freude, sondern Alarm:
„Haben sie sich vertan?“
„Wollen sie nur nett sein?“
„Wann merken sie, dass ich anders bin?“


Warum das so erschöpfend ist


Weil es bedeutet, dass soziale Situationen nicht „Energie geben“, sondern Energie kosten:


● ständige Selbstüberwachung


● Masking


● Nachdenken über jedes Wort


● Grübeln danach („War ich komisch?“)


Das führt langfristig zu:


● sozialer Erschöpfung


● Rückzug


● depressivem Erleben


● Angst vor Nähe


Und genau das sieht klinisch oft aus wie „Depression“ oder „Sozialphobie“ – obwohl der Kern häufig ein lebenslanges ADHS-Muster plus sekundäre Selbstwertverletzung ist.







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Hinter der Sonnenbrille

 
 
 

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