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Wo ist denn die Powerfrau geblieben, die ich einmal war?

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 22. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit
Immer powerful kann nicht ein Leben lang durchgehalten werden.
Immer powerful kann nicht ein Leben lang durchgehalten werden.

Andrea Maierhofer, 22.1.2026, (3 min Lesezeit)






Es gab eine Zeit, da schien Energie unerschöpflich. Alles wurde mit 120 % erledigt: Arbeit, Familie, Beziehungen, Verantwortung, Fürsorge für andere.

Pausen waren optional, Müdigkeit wurde übergangen, Erschöpfung ignoriert.

Funktionieren war selbstverständlich – und oft sogar Teil der eigenen Identität.


Und dann kommt dieser Punkt: Die Batterien laden sich nicht mehr auf. Schlaf hilft kaum, freie Tage bringen keine echte Erholung, selbst schöne Dinge kosten Kraft. Zurück bleibt die irritierende Frage: Was ist mit mir passiert?


Die psychiatrische Perspektive:


Wenn das Nervensystem nicht mehr kann


Aus psychiatrischer Sicht kommt diese Erschöpfung selten „plötzlich“, sondern schleichend, man merkt es oft nicht oder sehr spät.

Meist ist sie das Ergebnis jahrelanger Überforderung eines Nervensystems, das dauerhaft im Leistungs- und Alarmmodus war.


Viele sogenannte „Powerfrauen“ haben früh gelernt, stark zu sein: Verantwortung zu übernehmen, durchzuhalten, Bedürfnisse hintanzustellen.


Oft liegen biografisch emotionale Unsicherheiten, frühe Anpassungsleistungen, Trauma, ADHS oder chronischer Stress zugrunde – nicht immer dramatisch. Aber konstant!


Das autonome Nervensystem bleibt dabei lange im Sympathikus-Modus (Leistung, Anspannung, Funktionieren).


Irgendwann kippt das System: Erschöpfung, emotionale Leere, Reizüberflutung, Konzentrationsprobleme und ein Gefühl innerer Ausgebranntsein treten auf.


"Ich kann nicht mehr!"


Das ist kein persönliches Versagen, sondern Neurobiologie.


Welches Alter ist typisch?


Häufig zeigt sich diese Form der Erschöpfung zwischen Ende 30 und Mitte 50.


In dieser Lebensphase kumulieren mehrere Faktoren:

• jahrelange berufliche und familiäre Dauerbelastung

• hormonelle Veränderungen (v. a. bei Frauen: Perimenopause, Menopause)

• das Wegfallen der „jugendlichen Reserveenergie“

• zunehmende Selbstreflexion: Will ich so weiterleben?


Der Körper meldet sich oft früher als der Kopf.


Welche psychischen Erkrankungen können auftreten?


Chronische Erschöpfung ist kein eigenständiges Krankheitsbild, aber ein Risikozustand! Häufige Folgen oder Begleiter sind:


• Depressionen (oft atypisch: weniger Traurigkeit, mehr Leere, Müdigkeit, Antriebslosigkeit)

• Angststörungen (innere Unruhe, Grübeln, Zukunftsängste)

• Burnout-Syndrom

• Anpassungsstörungen

• Somatoforme Beschwerden (Schmerzen, Magen-Darm-Probleme, Herzklopfen ohne organischen Befund)

• bei entsprechender Vorgeschichte auch Trauma-Folgestörungen


Viele Betroffene funktionieren äußerlich weiter – innerlich jedoch mit letzter Kraft. Und sie merken es oft selber nicht.


Was erschöpft denn so sehr?


Nicht nur die Menge der Aufgaben, sondern vor allem:


• Dauerhafte Selbstüberforderung

• Fehlende echte Erholung (kein mentaler Leerlauf)

• Emotionale Arbeit: Für andere da sein, regulieren, halten

• Perfektionismus und hohe innere Ansprüche

• Das Nicht-Spüren eigener Grenzen


Besonders erschöpfend ist der innere Antreiber:


„Ich muss.“


„Ich darf nicht schwach sein.“



Was schafft Abhilfe?


Abhilfe ist selten ein schneller Reset.

Es geht um Neujustierung, nicht um „wieder so werden wie früher“.


Sehr hilfreich sind:


• Psychiatrische/psychotherapeutische Abklärung, um Depression, Angst oder hormonelle Faktoren zu erkennen

• Reduktion statt Optimierung: weniger Tempo, weniger Erwartungen

• Nervensystem-Regulation (Schlaf, Rhythmus, Bewegung ohne Leistungsdruck)

• Arbeit an inneren Antreibern: Woher kommt mein Dauer-„120 %“?

• ggf. medikamentöse Unterstützung, wenn Erschöpfung Teil einer Depression oder Angststörung ist


Wie künftig kräftesparend weiterleben?


Die vielleicht schwierigste, aber heilsamste Erkenntnis:

Die Powerfrau ist nicht verschwunden – sie hat nur zu lange über ihre Grenzen gelebt.


Kräftesparend weiterzuleben bedeutet:


• nicht mehr alles zu schaffen, sondern das Wesentliche

• Energie als begrenzte Ressource ernst zu nehmen

• Pausen nicht zu verdienen, sondern zu brauchen

• Stärke neu zu definieren: nicht als Durchhalten, sondern als Fürsorge


Vielleicht geht es nicht darum, die alte Powerfrau wiederzufinden. (Sie sind immer noch die Gleiche, mit den selben Ressourcen, alle Ihre Persönlichkeitsanteile bleiben erhalten! Sie haben auch die Powerfrau noch drauf!)


Vielleicht geht es darum, eine neue Version zu werden – eine, die bleibt.







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