ADHS bei Frauen - warum durch unerkanntes und unbehandeltes ADHS das Risiko für Begleiterkrankungen steigt 🏥🏥🏥
- andrea maierhofer
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Andrea Maierhofer, 21.06.2016, (3 Min Lesezeit)
Bei Frauen mit ADHS sieht man im Durchschnitt häufiger bestimmte körperliche Gesundheitsprobleme und gesundheitliche Risikofaktoren als bei Frauen ohne ADHS.
Die Ursachen sind allerdings komplex: Nicht ADHS allein verursacht diese Erkrankungen, sondern oft die Kombination aus neurobiologischen Faktoren, chronischem Stress, Schlafproblemen, Impulsivität, Schwierigkeiten der Selbstorganisation und psychischen Begleiterkrankungen.
Nicht nur psychische Komorbiditäten sind häufig, auch somatische Beschwerden und Erkrankungen können auftreten und chronifizieren. Welche Krankheiten dies im Besonderen sind und worauf Sie achten sollten, lesen Sie im Artikel:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Studien zeigen, dass Menschen mit ADHS insgesamt häufiger folgende Probleme entwickeln:
● Bluthochdruck
● Übergewicht und Adipositas
● Typ-2-Diabetes
● Herz-Kreislauf-Erkrankungen
● Schlaganfall (leicht erhöhtes Risiko)
● Stoffwechselstörungen
Bei Frauen wird ADHS oft erst spät erkannt. Viele berichten über jahrzehntelange Überforderung, Perfektionismus, Masking (“funktionieren trotz innerem Chaos”), chronische Anspannung und Schlafmangel.
Diese Faktoren können langfristig die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems erhöhen.
Dauerstress und körperliche Folgen
Viele Frauen mit ADHS beschreiben folgende Symptome:
● permanente innere Unruhe
● Grübeln
● erhöhte Reizoffenheit
● emotionale Überforderung
● das Gefühl, ständig hinterherzulaufen
● Schwierigkeiten mit Regeneration, sie können ganz schwer entspannen
Chronischer Stress kann aber langfristig beitragen zu:
● erhöhtem Blutdruck
● Muskelverspannungen
● Migräne
● Magen-Darm-Beschwerden
● Schlafstörungen
● erhöhter Entzündungsaktivität im Körper
● Erschöpfung und Burnout-Symptomen
Dabei ist wichtig: Nicht jede Frau mit ADHS erlebt diesen Dauerstress.
Besonders betroffen sind aber oft diejenigen, deren ADHS lange unerkannt blieb.
Rauchen
Rauchen ist bei Menschen mit ADHS deutlich häufiger.
Mögliche Gründe dafür sind :
● kurzfristige Verbesserung von Aufmerksamkeit und Konzentration durch Nikotin
● Beruhigung innerer Unruhe
● Impulsivität
● höhere Suchttendenz
Viele Betroffene berichten, dass Nikotin wie eine Art “Selbstmedikation” wirkt.
Langfristig steigen natürlich die bekannten Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Lungenerkrankungen.
Alkohol
Auch Alkoholprobleme treten häufiger auf.
Als typische Motive werden genannt:
● Abschalten nach einem überfordernden Tag
● Beruhigung von Anspannung
● Dämpfung emotionaler Überreaktionen
● soziale Unsicherheit
Nicht jede Person mit ADHS entwickelt eine Abhängigkeit, aber das Risiko für problematischen Konsum ist erhöht.
Was ist mit der Ernährung?
Viele Frauen mit ADHS berichten über:
● unregelmäßige Mahlzeiten
● Vergessen zu essen
● spätes Essen am Abend
● impulsives Snacking
● Heißhungerattacken
● emotionales Essen
● Schwierigkeiten beim Planen und Einkaufen
Diese Gewohnheiten führen häufig zu:
● Gewichtszunahme oder auch Untergewicht
● Schwankungen des Blutzuckers
● Mangelernährung trotz ausreichender Kalorienzufuhr
● erhöhte Erschöpfung
Interessanterweise gibt es sowohl Frauen mit Übergewicht als auch Frauen, die aufgrund von Hyperfokus oder Appetitmangel zu wenig essen.
Bewegung: hier sieht man beide Extreme:
Zu wenig Bewegung
● Antriebsschwierigkeiten
● Organisationsprobleme
● Zeitmanagement-Probleme
● Scham wegen früherer negativer Sporterfahrungen
Zu viel und intensive Bewegung
Manche Frauen nutzen Sport zur Selbstregulation:
● exzessives Training
● Schwierigkeiten mit Pausen
● Überlastung
● Sport als Kompensation für innere Unruhe
Regelmäßige, moderate Bewegung scheint für viele Frauen mit ADHS besonders hilfreich zu sein, da sie Aufmerksamkeit, Stimmung, Schlaf und Stressregulation verbessern kann.
Weitere häufige körperliche Begleiterkrankungen
Bei Frauen mit ADHS werden außerdem häufiger beschrieben:
● Schlafstörungen
● Migräne
● Reizdarmsyndrom
● Chronische Schmerzen
● Fibromyalgie-ähnliche Beschwerden
● Übergewicht
● Essstörungen
● Prämenstruelle Beschwerden (PMS/PMDS)
● Beschwerden in der Perimenopause und Menopause
Klinisch wichtig: Gerade bei Frauen wird ADHS oft erst entdeckt, nachdem sie wegen anderer Probleme Hilfe suchen:
● Burnout
● Depression
● Angststörung
● chronische Erschöpfung
● psychosomatische Beschwerden
● Bluthochdruck
● Schlafstörungen
Nicht selten zeigt sich dann, dass jahrzehntelange Selbstüberforderung und das ständige Kompensieren einer unerkannten ADHS einen erheblichen Anteil an der gesundheitlichen Belastung hatten.
Fazit:
ADHS betrifft nicht nur Aufmerksamkeit und Organisation. Unbehandelte ADHS kann über Jahre zu chronischem Stress, Schlafproblemen und ungünstigen Gesundheitsgewohnheiten beitragen. Dadurch können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Stoffwechselstörungen sowie Suchterkrankungen erhöht sein. Eine frühzeitige Diagnose und passende Behandlung können daher auch die körperliche Gesundheit positiv beeinflussen.




Kommentare