ADHS bei MĂ€dchen in der Volksschule: Typische Symptome zwischen 6 und 10 Jahren erkennen đȘđȘđȘ
- andrea maierhofer
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Andrea Maierhofer, 8.3.2026, (4 min Lesezeit)
ADHS wird bei MĂ€dchen im Grundschulalter, also in der Volksschule, deutlich seltener erkannt als bei Jungen. Ein Grund dafĂŒr ist, dass sich die Symptome oft anders zeigen. WĂ€hrend Jungen hĂ€ufiger durch starke HyperaktivitĂ€t auffallen, ImpulsivitĂ€t und Stören im Unterricht, wirken viele MĂ€dchen eher ruhig, vertrĂ€umt oder sehr sensibel.
Gerade in der Volksschule (ca. 6â10 Jahre) werden diese Anzeichen deshalb leicht ĂŒbersehen â obwohl betroffene MĂ€dchen im Alltag oft stark kĂ€mpfen. Dazugehören wollen und sich anpassen.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche typischen ADHS-Symptome MÀdchen in der Volksschule zeigen und worauf Eltern und LehrkrÀfte besonders achten sollten.
Warum ADHS bei MĂ€dchen oft ĂŒbersehen wird
Viele Menschen verbinden ADHS noch immer mit sehr lebhaften, impulsiven Kindern. Dieses Bild passt jedoch hÀufig eher zu Jungen.
Die Definition und die Symptome die ADHS in der Kindheit diagnostizierten, passten zu Jungen. Erst viel spĂ€ter wurden die ersten Studien an MĂ€dchen durchgefĂŒhrt.
(Diese Studien beschreibe ich in einem anderen Artikel).
MĂ€dchen zeigen hĂ€ufiger den sogenannten unaufmerksamen ADHS-Typ. Das bedeutet: Sie sind weniger laut oder impulsiv, haben aber groĂe Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation und emotionaler Regulation.
Dadurch wirken sie im Unterricht oft angepasst oder still â obwohl sie innerlich ĂŒberfordert sind.
1. Konzentrationsprobleme im Unterricht
Ein hÀufiges Anzeichen von ADHS bei MÀdchen ist eine ausgeprÀgte Unaufmerksamkeit. LehrkrÀfte berichten oft, dass diese Kinder zwar ruhig sind, aber Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen.
Typische Beobachtungen sind:
⹠hÀufiges TagtrÀumen, aus dem Fenster sehen
⹠schnelles Ablenken durch GerÀusche oder Bewegungen
âą Aufgaben werden begonnen, aber nicht beendet
⹠Schwierigkeiten, lÀngeren ErklÀrungen zu folgen
⹠deutlich lÀngere Arbeitszeit als bei anderen Kindern
Viele Lehrer beschreiben solche SchĂŒlerinnen als âruhig, aber stĂ€ndig abgelenktâ.
2. Schwierigkeiten mit Organisation und Struktur
Auch organisatorische Probleme sind typisch fĂŒr ADHS im Grundschulalter.
Alles Administrative, Zeitmanagement , Strukturierung und Priorisierung von TagesplÀnen, Hausaufgaben einteilen, bis zu einem Test welchen Lernstoff bewÀltigen.
All das macht Schwierigkeiten und benötigt eine Unmenge an Kraft fĂŒr die Betroffenen.
HĂ€ufige Beispiele im Schulalltag:
âą Hausaufgaben werden vergessen, zu machen oder zuhause oder bei Freunden
âą Hefte oder Stifte gehen verloren, und viel Zeit wird gebraucht, diese wieder zu finden
⹠die Schultasche ist sehr unordentlich, "Eselsohren", geknickte BuchumschlÀge,...
âą ArbeitsauftrĂ€ge werden nicht vollstĂ€ndig gelesen, es wird ĂŒberflogen und gleich begonnen zu arbeiten, oft wird ĂŒbersehen, dass der Arbeitsauftrag oder der Test noch eine zweiter Seite hatte, der Test wurde also nicht umgedreht.
âą Aufgaben werden in falscher Reihenfolge erledigt
Diese Schwierigkeiten entstehen nicht aus Faulheit, sondern weil Planung und Strukturierung bei ADHS schwerfallen.
3. Starke emotionale Reaktionen
Viele MĂ€dchen mit ADHS reagieren emotional besonders intensiv.Sie fĂŒhlen Kritik sehr intensiv, Ablehnung sehr intensiv, finden keine Logik hinter Aufgaben, sind schnell frustriert, wenn etwas nicht sofort klappt.
Typische Situationen sind:
âą schnelle Frustration bei schwierigen Aufgaben
⹠TrÀnen bei Kritik oder Fehlern
âą starkes GefĂŒhl von Ungerechtigkeit
âą schnelle Ăberforderung in stressigen Situationen
Man spricht hier oft von emotionaler Dysregulation â also Schwierigkeiten, GefĂŒhle zu steuern. Sie werden nĂ€mlich sofort und intensivst wahrgenommen, und es erfolgt sofort eine Reaktion, ohne (noch so kurze) Verzögerung. Das kann bewusst als Kind kaum beeinflusst werden, die Reaktion lĂ€uft einfach ab.
4. Probleme in Freundschaften
Auch im sozialen Bereich können Schwierigkeiten auftreten.
Erwachsene Patientinnen berichten oft, dass sie immer wussten, dass sie anders waren, sie waren wacher, haben mehr aufgenommen, hatten keine Leichtigkeit, manche gehörten zu Gruppen dazu, die meisten berichten von wenigen Freundinnen, oder gar keinen Freunden, also engen Freunden: "Meine beste Freundin". Oft ist auch wenig Erinnerung an die Schulzeit vorhanden.
Einige MĂ€dchen mit ADHS erleben:
âą Konflikte mit Freundinnen
⹠MissverstÀndnisse in Gruppensituationen
âą das GefĂŒhl, nicht richtig dazuzugehören
âą impulsive Reaktionen in Streitigkeiten
Viele versuchen gleichzeitig sehr stark, sich anzupassen. Das kann langfristig zu Erschöpfung oder geringem SelbstwertgefĂŒhl fĂŒhren.
5. UnauffÀllige HyperaktivitÀt
HyperaktivitÀt kann stark vorhanden sein, meist jedoch zeigt sich bei MÀdchen die HyperaktivitÀt hÀufig subtiler als bei Jungen.
Mögliche Anzeichen sind:
âą Zappeln mit HĂ€nden oder FĂŒĂen
⹠Spielen mit Stiften oder GegenstÀnden
âą hĂ€ufiges FlĂŒstern mit Sitznachbarn
⹠hÀufiges Aufstehen oder Herumlaufen im Klassenzimmer
Diese Verhaltensweisen wirken oft weniger störend und werden daher nicht sofort mit ADHS in Verbindung gebracht.
Typische Hinweise im Schulalltag
LehrkrĂ€fte Ă€uĂern bei betroffenen Kindern hĂ€ufig Ă€hnliche Beobachtungen:
âą âSie könnte viel mehr leisten, wenn sie sich besser konzentrieren wĂŒrde.â
âą âSie wirkt oft vertrĂ€umt.â
âą âDie mĂŒndliche Mitarbeit ist gut, aber schriftlich passieren viele FlĂŒchtigkeitsfehler.â
âą âDie Leistungen schwanken stark.â
Solche Hinweise können ein wichtiges Signal sein, genauer hinzuschauen.
Wichtiger Hinweis fĂŒr Eltern
Nicht jedes unkonzentrierte oder vertrÀumte Kind hat ADHS. Viele Kinder haben phasenweise Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit.
Wenn jedoch mehrere der genannten Anzeichen ĂŒber lĂ€ngere Zeit auftreten und den Schulalltag deutlich beeintrĂ€chtigen, kann eine fachliche AbklĂ€rung sinnvoll sein.
Eine frĂŒhe UnterstĂŒtzung hilft betroffenen Kindern oft sehr dabei, ihren Schulalltag entspannter zu bewĂ€ltigen.
Fazit
ADHS bei MÀdchen in der Volksschule zeigt sich hÀufig leiser und weniger auffÀllig als bei Jungen.
Statt starker HyperaktivitÀt stehen meist Unaufmerksamkeit, Organisationsprobleme und emotionale Empfindlichkeit im Vordergrund.
Gerade deshalb ist es wichtig, typische Anzeichen zu kennen.
Wenn Eltern und LehrkrĂ€fte aufmerksam hinschauen, können betroffene MĂ€dchen frĂŒhzeitig die UnterstĂŒtzung bekommen, die sie brauchen.




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