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Warum wir loyal bleiben, obwohl unsere Grenzen verletzt werden – und warum uns das innerlich erschöpft 🐚🐚🐚

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Immer zu schnell verzeihen
Immer zu schnell verzeihen

Andrea Maierhofer, 8.3.2026, (3 min Lesezeit)








Viele Menschen kennen dieses Gefühl:


Sie verzeihen, verstehen, erklären, haben Geduld – immer wieder. Selbst dann, wenn ihre eigenen Grenzen längst überschritten wurden.


Sie wollen Harmonie.


Sie wollen Beziehung.


Sie wollen die Bindung nicht verlieren.



Und irgendwann stellen sie fest:


Sie sind erschöpft. Innerlich leer. Vielleicht sogar ein wenig taub.



Warum passiert das?



Unser tiefes Bedürfnis nach Bindung


Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Nähe, Zugehörigkeit und Verbindung sind grundlegende Bedürfnisse.


Der britische Psychologe John Bowlby beschrieb in der Bindungstheorie, dass unser Nervensystem darauf ausgerichtet ist, Beziehungen zu sichern.


Wenn eine Beziehung gefährdet scheint, reagieren viele Menschen nicht mit Konfrontation, sondern mit Anpassung.


Das bedeutet:


• wir erklären das Verhalten anderer


• wir relativieren Verletzungen


• wir verzeihen schneller, als uns eigentlich guttut


Nicht, weil wir schwach sind – sondern weil unser inneres System versucht, die Verbindung zu schützen.



Wenn Harmonie wichtiger wird als die eigenen Bedürfnisse


Viele Menschen haben früh gelernt, dass Harmonie wichtig ist.


Vielleicht gab es Botschaften wie:


• „Sei nicht so empfindlich.“


• „Mach keinen Ärger.“


• „Andere haben es schwerer.“



So entsteht ein inneres Muster:


Die Beziehung sichern ist wichtiger als die eigenen Bedürfnisse.


Man beschreibt dieses Verhalten oft als Anpassungs- oder Beschwichtigungsreaktion. Neben Kampf, Flucht oder Erstarren gibt es noch eine vierte Stressreaktion: das Beschwichtigen.


Menschen versuchen dann, Konflikte zu vermeiden, Verständnis zu zeigen und die Situation zu beruhigen – auch auf Kosten ihrer eigenen Grenzen.



Was langfristig in uns passiert?


Wenn Grenzen immer wieder überschritten werden und wir sie nicht schützen können, hat das Folgen.


Viele Menschen berichten über drei typische Veränderungen:


1. Emotionale Taubheit


Gefühle werden gedämpft, weil sie sonst zu schmerzhaft wären.



2. Dauerhafte Erschöpfung


Ständige Anpassung aktiviert dauerhaft das Stresssystem.



3. Selbstverlust


Mit der Zeit wird es schwer zu spüren:


• Was möchte ich eigentlich?


• Was tut mir gut?


• Wo liegen meine Grenzen?



Diese Zustände findet man häufig bei Menschen, die unter chronischer Überforderung, Depressionen, einem Burnout-Syndrom leiden.


Grenzen erkennen: Der Körper weiß oft zuerst Bescheid


Bevor der Kopf versteht, dass etwas nicht stimmt, reagiert häufig der Körper.



Typische Signale können sein:


• ein Druckgefühl im Bauch


• innere Anspannung


• starke Müdigkeit nach bestimmten Begegnungen


• das Gefühl, sich innerlich zusammenziehen zu müssen



Diese Signale sind oft Hinweise darauf, dass eine persönliche Grenze erreicht oder überschritten wurde.



Grenzen setzen (lernen) – ohne Schuldgefühle


Für viele Menschen fühlt sich ein „Nein“ zunächst falsch an. Dahinter steckt oft ein alter Glaubenssatz:


Wenn ich Nein sage, enttäusche ich andere.


Doch gesunde Grenzen bedeuten nicht, egoistisch zu sein. Sie bedeuten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.



Manchmal reichen einfache, klare Sätze:


• „Das passt für mich gerade nicht.“


• „Ich brauche etwas Zeit für mich.“


• „Das kann ich so nicht übernehmen.“



Ohne lange Rechtfertigungen.


Grenzen schützen nicht nur Sie selbst – sie machen Beziehungen auch ehrlicher und stabiler.



Wie Psychiatrie und Psychotherapie unterstützen können



Die Psychotherapie und die Psychiatrie helfen Menschen dabei, solche Muster zu verstehen und zu verändern. Wenn schon eine Depression vorhanden ist, können Antidepressiva helfen, auch um mehr Zugang zu sich in der Psychotherapie zu finden.



In einer Therapie geht es häufig darum,


• die eigenen Beziehungsmuster zu erkennen


• Gefühle wieder bewusst wahrzunehmen


• persönliche Bedürfnisse ernst zu nehmen


• neue Formen von Kommunikation zu lernen



Viele Menschen entdecken dabei etwas Entscheidendes: Ihre Fähigkeit zu Empathie und Loyalität ist keine Schwäche.


Im Gegenteil. Es sind wertvolle Eigenschaften – sie brauchen nur eine Ergänzung:


Empathie für andere und gleichzeitig Empathie für sich selbst.






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Muschel

 
 
 

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