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ADHS: Friseurbesuche sind anstrengend bei ADHS – warum eigentlich? ✂️✂️✂️

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 18. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit
Entspannen? Fehlanzeige!
Entspannen? Fehlanzeige!

Andrea Maierhofer, 18.04.2026, (4 Min Lesezeit)








Viele ADHS-Betroffene erleben Friseurbesuche nicht als „Wellness“, sondern als Stress-Event.


Vielleicht erkennen Sie sich wieder? Viele erkennen sich darin wieder, aber kaum jemand spricht es aus. Oder man hat noch nie darüber nachgedacht und empfindet es als Charaktereigenschaft, eine Eigenheit eben.


Denn: Für viele Menschen ist ein Friseurbesuch etwas Alltägliches: Termin, Haare schneiden, vielleicht noch färben – fertig.


Für Menschen mit ADHS kann genau das jedoch überraschend belastend sein.


Nicht, weil sie „kompliziert“ sind oder sich „anstellen“, sondern weil Friseurbesuche gleich mehrere ADHS-typische Stressfaktoren kombinieren: Reizüberflutung, Körpernähe, Smalltalk, Entscheidungsdruck und das Gefühl, über längere Zeit still sitzen zu müssen.


Wenn du also nach einem Friseurbesuch erschöpft bist oder ihn ewig vor dir herschiebst: Das ist nicht ungewöhnlich.



Warum Friseurbesuche bei ADHS so viel Energie kosten


1. Reizüberflutung (Licht, Geräusche, Gerüche)


Viele Salons sind sensorisch intensiv:


Föhngeräusche, Gespräche, Musik, grelles Licht, Gerüche von Haarfarben oder Haarspray.


Menschen mit ADHS haben oft eine erhöhte Reizempfindlichkeit. Das Gehirn filtert Reize weniger automatisch aus.


Was andere ausblenden, bleibt für ADHS-Betroffene präsent – und kostet Kraft.


Das Ergebnis: Man ist schneller erschöpft, gereizt oder innerlich angespannt.



2. Still sitzen ist schwerer als es aussieht


Ein Friseurbesuch bedeutet: sitzen bleiben, Kopf ruhig halten, warten.


Für ADHS-Gehirne ist das eine echte Herausforderung. Nicht, weil Betroffene „nicht wollen“, sondern weil Bewegung oft hilft, das Nervensystem zu regulieren.


Viele erleben dabei:


• innere Unruhe


• Muskelanspannung


• das Bedürfnis aufzustehen oder „auszusteigen“


• starke Erschöpfung danach



3. Körpernähe kann Stress auslösen



Friseurinnen arbeiten sehr nah am Kopf, am Nacken, manchmal am Gesicht.


Bei ADHS kann das schnell unangenehm werden, besonders wenn zusätzlich eine hohe Sensibilität oder traumatische Erfahrungen vorhanden sind.


Auch ohne Trauma kann es einfach „zu viel“ sein:


Berührungen, Wärme, Gerüche, das Gefühl, ausgeliefert zu sein.



4. Smalltalk: sozialer Druck auf Knopfdruck


Viele Menschen mit ADHS empfinden Smalltalk als anstrengend.


Nicht, weil sie unfreundlich sind, sondern weil gleichzeitig mehrere Dinge passieren:


• man muss zuhören


• passende Antworten finden


• Blickkontakt halten


• freundlich wirken


• währenddessen sensorische Reize aushalten


Das Gehirn arbeitet dabei auf Hochleistung. Und nach außen sieht es oft aus, als wäre alles „eh normal“.



5. Entscheidungsstress („Wie soll’s werden?“)


„Nur Spitzen schneiden oder doch Stufen?“


„Was genau heißt schulterlang?“


„Steht mir das überhaupt?“



ADHS ist oft verbunden mit:


• Entscheidungsschwierigkeiten


• Angst vor Fehlentscheidungen


• Perfektionismus


• Overthinking


Viele Betroffene haben auch schon erlebt, dass sie im Salon überfordert zustimmen, obwohl sie unsicher sind – und danach unzufrieden nach Hause gehen.



6. Zeitgefühl & Geduld: die typische ADHS-Falle


Ein Friseurbesuch dauert häufig länger als erwartet. Eigentlich weiß man ja wie lange es dauern wird, aber jedes mal beginnt bei der Hälfte spätestens die Ungeduld, auf die Uhr schauen, eine halbe Stunde fühlt sich wie drei Stunden an. Und bei jedem neuen Friseurbesuch denkt man sich: "Diesmal werde ich geduldig sein und entspannen". Funktioniert nicht bei ADHS.


Menschen mit ADHS haben oft ein anderes Zeitempfinden („time blindness“).


Warten wird schnell zur mentalen Belastung, vor allem wenn unklar ist, wie lange es noch dauert.


Viele erleben:


• innere Ungeduld


• das Gefühl, „festzustecken“


• Nervosität


• danach völlige Erschöpfung



7. Scham: „Warum ist das für mich so schwer?“


Ein zentraler Punkt ist die Selbstkritik.


Viele denken:


• „Andere schaffen das doch auch.“


• „Warum kann ich nicht einfach entspannt sein?“


• „Ich bin so empfindlich.“


Diese Gedanken verstärken Stress und machen aus einem simplen Termin ein emotionales Problem. Dabei ist es oft schlicht eine neurobiologische Überforderung.



Typische ADHS-Erfahrungen beim Friseur


Vielleicht erkennst du dich hier wieder:


• du schiebst Friseurbesuche monatelang auf


• du gehst nur, wenn es „wirklich nicht mehr geht“


• du bist nach dem Termin müde wie nach einem Arbeitstag


• du bist überreizt und willst danach nur noch allein sein


• du sagst „passt schon“, obwohl du dich unwohl fühlst


• du bekommst plötzlich das Gefühl, flüchten zu müssen


• du ärgerst dich später über dich selbst


Das ist bei ADHS nicht selten.



Was hilft? Praktische Strategien für ADHS-Betroffene


Ein Friseurbesuch muss nicht perfekt sein. Aber er kann leichter werden.


  • Vorher: so wenig Entscheidung wie möglich


  • Hilfreich ist, vorher ein Foto mitzunehmen.


  • Nicht „ungefähr so“, sondern konkret.


Das entlastet das Arbeitsgedächtnis und reduziert Stress.



Realistisch planen: Friseur = anstrengender Termin


Plane den Termin nicht zwischen zwei stressige Dinge.


Wenn möglich:


• keine weiteren Verpflichtungen danach


• Essen vorher


• genug Zeit einplanen


Viele ADHS-Betroffene profitieren davon, den Tag bewusst „luftig“ zu halten.


Noise Cancelling oder Ohrstöpsel (wenn möglich)


Manche Salons erlauben das problemlos. Auch dezente Ohrstöpsel können Reizüberflutung deutlich reduzieren.



Smalltalk ist nicht Pflicht


Du darfst sagen:


• „Ich bin heute ein bisschen müde, ich würde gerne einfach entspannen.“


• „Ich genieße es gerade, still zu sein.“


Professionelle Friseurinnen verstehen das meistens sofort.



Pausen erlauben


Bei langen Terminen kann es helfen, kurz aufzustehen oder einen Schluck Wasser zu trinken.

ADHS bedeutet nicht, dass man „funktionieren“ muss.



Kürzere Termine bevorzugen


Manchmal ist es sinnvoll, lieber öfter kurz zu gehen als selten für „alles auf einmal“ (Schneiden + Färben + Styling).


Weniger Dauer = weniger Überforderung.



Einen Salon suchen, der sich gut anfühlt. Nicht jeder Salon passt zu jedem Nervensystem.


ADHS-Betroffene profitieren oft von:


• ruhiger Atmosphäre


• weniger Personen gleichzeitig


• klarer Kommunikation


• respektvoller Umgang



Wenn du dich danach „komisch“ fühlst: du bist nicht allein. Viele Menschen mit ADHS erleben nach solchen Terminen eine Art „Crash“: Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Müdigkeit, das Bedürfnis nach Rückzug.


Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein typisches Zeichen dafür, dass dein Gehirn gerade sehr viel verarbeiten musste.



Fazit: Friseurbesuche sind für ADHS-Gehirne echte Arbeit


Friseurbesuche vereinen viele Dinge, die bei ADHS schwierig sein können: Reize, Zeitdruck, Körpernähe, Kommunikation und Entscheidungen.

Wenn du dich dabei überfordert fühlst, ist das nicht übertrieben – es ist erklärbar.

Und du darfst deine Umgebung so gestalten, dass sie zu dir passt. Medikation hilft enorm!







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Beim Friseur

 
 
 

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