Die parentifizierte Tochter - viel Verantwortung bei der Beziehungsgestaltung - früher als Mädchen und später als Frau
- andrea maierhofer
- 5. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Jan.
Dr. Maierhofer Andrea, 5.1.2026 (2 min Lesezeit)

1. Parentifizierung: Die frühe Rolle prägt
• Definition: Parentifizierung bedeutet, dass ein Kind früh Verantwortung übernimmt, die eigentlich der Elternteil tragen sollte. Das kann emotional (z. B. die Mutter trösten), praktisch (Haushalt erledigen) oder sogar psychologisch (Elternratgeber oder Vermittlerin sein) sein.
• Folge: Das Kind lernt: „Ich bin wertvoll, wenn ich für andere sorge.“ Später im Erwachsenenleben wird dieses Muster oft unbewusst auf Partner übertragen.
2. „Kaputte Typen“ oder schwierige Projekte
• Frauen, die als Kinder parentifiziert wurden, fühlen sich oft verantwortlich für das Glück anderer.
• Deshalb neigen sie dazu, Partner zu wählen, die „rettungsbedürftig“ sind oder die man „heilen“ muss.
• Psychologische Erklärung: Es entsteht ein Wiederholungsspiel, bei dem die Frau unbewusst alte Muster der Kindheit auslebt: Sorge übernehmen, Probleme lösen, emotional stabilisieren.
3. Providerrolle
• Früher als Tochter: Emotionale oder praktische Versorgung der Eltern.
• Heute als Partnerin: Häufig wieder die Rolle der Versorgerin, Helferin, Problemlöserin – oft ohne ausreichend Gegenleistung.
• Konsequenz: Gefühle von Überforderung, Selbstaufgabe oder Frustration. Gleichzeitig fühlt es sich „normal“ oder vertraut an, weil das Gehirn diese Muster schon seit Kindheit kennt.
4. Warum diese Muster oft unbewusst bleiben
• Vertrautheit: Das Verhalten fühlt sich „richtig“ an, weil es so lange Teil der eigenen Identität war.
• Angst vor Konflikten: Parentifizierte Kinder lernen oft, dass ihre eigenen Bedürfnisse weniger wichtig sind.
• Sehnsucht nach Anerkennung: Wenn die Frau für andere sorgt, bekommt sie manchmal (wenn auch selten) die ersehnte Wertschätzung, die in der Kindheit fehlte.
5. Heilung und Veränderung
• Selbstreflexion: Erkennen der alten Muster ist der erste Schritt.
• Grenzen lernen: Sich bewusst machen, dass man nicht für das Glück anderer verantwortlich ist.
• Gesunde Partnerwahl: Partner, die emotional verfügbar und selbstverantwortlich sind.
• Therapie oder Coaching: Besonders hilfreich bei tief verwurzelter Parentifizierung.
Kurz gesagt: Frauen, die sich kaputte Typen oder „Projekte“ aussuchen, wieder in die Providerrolle schlüpfen oder „retten“ wollen, reproduzieren oft unbewusst das, was sie als parentifizierte Tochter gelernt haben: Ich bin wertvoll, wenn ich sorge, helfe oder rette.



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