Schlafstörungen – warum wir nicht schlafen und was wirklich hilft 🛏️
- andrea maierhofer
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Andrea Maierhofer, 18.1.2026, (3 min Lesezeit)
Fast jeder kennt es:
Man liegt müde im Bett, der Körper ist erschöpft – aber der Schlaf kommt nicht.
Oder man schläft ein, wacht jedoch immer wieder auf, kann nicht mehr einschlafen und fühlt sich morgens wie „gerädert“.
Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der ärztlichen Praxis.
Doch Schlafstörung ist nicht gleich Schlafstörung – und genau das ist entscheidend für die richtige Behandlung.
Primäre oder sekundäre Schlafstörung – ein wichtiger Unterschied
-Primäre Insomnie – wenn der Schlaf selbst zum Problem wird (sehr selten)
Bei einer primären Insomnie liegt keine andere körperliche oder psychische Erkrankung zugrunde.
Häufig handelt es sich um eine psychophysiologische Schlafstörung:
• Grübeln im Bett
• Angst vor dem Nicht-Schlafen
• ein „überwachter“ Schlaf
• Konditionierung: Bett = Wachsein
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von einer chronischen Insomnie.
-Sekundäre Insomnie – der Regelfall
Deutlich häufiger ist die sekundäre Schlafstörung, also Schlafprobleme als Begleitsymptom einer anderen Erkrankung, zum Beispiel:
• Depression: frühes Erwachen, unruhiger Schlaf
• Angststörungen: Einschlafprobleme, nächtliches Grübeln
• Burnout/Erschöpfung: nicht erholsamer Schlaf
• ADHS: verzögerter Schlafbeginn, instabile Schlafphasen
Grundsatz:
Schlaf verbessert sich meist nur dann nachhaltig, wenn die Grunderkrankung behandelt/mitbehandelt wird!
Wie lange dauert eine Behandlung realistisch?
Viele Patienten hoffen auf eine schnelle Lösung – doch Schlaf lässt sich nicht „reparieren wie ein Schalter“.
• Akut: wenige Tage bis Wochen (z. B. bei Krisen)
• Subakut: ca. 2–6 Wochen (z. B. bei Depression, Anpassungsstörung)
• Chronisch: multimodale Therapie mit individueller Schlafhygiene, Schlaf - Rhythmusstabilisierung (Tag/Nacht), ggf. Suche nach langfristig geeigneten Medikamenten
Wichtig: Klassische Schlafmittel sind keine Dauerlösung!
Medikamente bei Schlafstörungen – was hilft wann?
Z-Substanzen (Zolpidem,..)
Sie wirken rasch und helfen vor allem beim Einschlafen.
Vorteile• schnelle Wirkung• kurzfristig wirksam
Nachteile• Toleranzentwicklung• Abhängigkeit• Rebound-Insomnie• Parasomnien (z. B. Schlafwandeln, Albträume)
Fazit: Nur kurzzeitig und gezielt einsetzen!
Benzodiazepine – heute nur noch Ausnahme als rein schlafregulierende Substanzen
Sie wirken angstlösend und schlaffördernd, verändern aber den Schlaf deutlich:
• weniger Tiefschlaf
• weniger REM-Schlaf
• hohes Abhängigkeitsrisiko
• kognitive Nebenwirkungen
In der modernen Schlafmedizin nur noch selten indiziert.
Sedierende Antidepressiva – oft unterschätzt, sehr wirksam!!!
Diese Medikamente sind besonders sinnvoll, wenn Schlafstörungen mit Depression, Angst oder Erschöpfung einhergehen.
• Mirtazapin: stark schlaffördernd, verbessert Tiefschlaf
• Trazodon: gute Durchschlafwirkung, kaum Abhängigkeit
• Amitriptylin (heute selten gegeben): bei Schmerz, Migräne oder Unruhe
• Agomelatin: stabilisiert den Tag-Nacht-Rhythmus
Vorteil: Der Schlaf ist oft natürlicher und erholsamer als unter klassischen Schlafmitteln.
Niedrig dosierte Neuroleptika (z. B. Quetiapin)-gut wirksam
• verbessern v. a. das Durchschlafen
• erhöhen den Tiefschlaf
Wegen metabolischer Nebenwirkungen nur bei klarer Indikation.
Melatonin – klein, aber wirkungsvoll
Besonders hilfreich bei:
• ADHS
• verzögertem Schlafphasensyndrom
• Jetlag
Melatonin verbessert die Einschlaflatenz, ohne die Schlafarchitektur zu stören.
Pflanzliche Mittel – realistisch betrachtet
Moderate Evidenz
• Baldrian (Wirkung nach 2–4 Wochen)
• Baldrian + Hopfen
• Passionsblume (leicht angstlösend)
Kaum wirksam
• Lavendel (oral)
• Melisse
Pflanzliche Substanzen werden gerne gewünscht und genommen, sind aber nur bei leichten Schlafproblemen geeignet und nicht ausreichend bei Depression oder Angststörung.
Warum die Schlafarchitektur so wichtig ist
Nicht jede Nacht mit vielen Stunden Schlaf ist erholsam.
• Depression: verkürzte REM-Latenz, wenig Tiefschlaf
• Angst: fragmentierter Schlaf
• ADHS: instabile Schlafphasen
Medikamente, die den Tiefschlaf fördern, sind langfristig oft günstiger als reine Hypnotika.
Albträume – was wirklich hilft
Häufige Ursachen
• PTSD
• Depression
• Stress
• Medikamente oder Entzug
Erste Wahl: nicht-medikamentös
• Psychoedukation
• Stressreduktion
Medikamente spielen hier nur eine Nebenrolle.
Besonderheiten bei ADHS
• Melatonin oft sehr effektiv
• richtiges Timing von Stimulanzien entscheidend
• regelmäßiger Schlafrhythmus und Lichtsteuerung wichtig
Die wichtigsten Kernaussagen
• Schlafstörungen sind meist kein isoliertes Problem
• Medikamente können unterstützen, ersetzen aber keine Ursachenbehandlung
• Sedierende Antidepressiva sind oft günstiger als klassische Schlafmittel
• Pflanzliche Präparate nur bei milden Beschwerden
• Albträume: Psychotherapie vor Medikamenten
Vereinbaren Sie gerne einen Termin für ein Erstgespräch, um die Ursachen Ihrer Schlafstörung zu erkennen und eine geeignete, für Sie passende Therapie (medikamentös oder nicht) zu finden.




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