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Idealisierung – Ich liebe Dich „abgöttisch“

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 5. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Jan.

     Dr. Maierhofer Andrea, 5.1.2026, (Lesezeit 3 min)

Borderlinepatientin
Borderlinepatientin

 



Das schnelle Idealisieren bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) hat mehrere psychologische und neurobiologische Gründe. Es ist Teil des sogenannten „Spaltungs“-Mechanismus (Splitting) – einer Schwarz-Weiß-Denkweise, die hilft, mit intensiven Gefühlen umzugehen. Hier sind die wichtigsten Hintergründe:




1. Extreme Angst vor Verlassenwerden



Menschen mit Borderline haben meist eine sehr tiefe, oft unbewusste Angst, verlassen oder abgelehnt zu werden.


• Wenn sie jemanden Neues kennenlernen, löst das intensive Hoffnung und Sehnsucht aus: „Vielleicht ist diese Person endlich die, die mich versteht und nicht verlässt.“


• Diese Hoffnung führt zu starker Idealisierung – die andere Person wird als perfekt, liebevoll, rettend erlebt.




2. Instabiles Selbstbild



Da das eigene Selbstbild oft schwankt (zwischen „Ich bin wertlos“ und „Ich bin stark“), wird das Gegenüber manchmal gebraucht, um Stabilität zu geben.


• Die Idealisierung hilft kurzfristig, sich selbst „gut“ zu fühlen: „Wenn diese großartige Person mich mag, dann bin ich auch etwas wert.“


• Dadurch bekommt die Beziehung eine übergroße emotionale Bedeutung.




3. Starke emotionale Intensität und Empathie



Borderline-Betroffene spüren Emotionen oft besonders intensiv.


• Schon kleine Zeichen von Zuneigung oder Verständnis können überwältigend wirken.


• Diese starke emotionale Reaktion führt dazu, dass das Gegenüber „überschätzt“ wird – als außergewöhnlich gut, liebevoll oder perfekt wahrgenommen.




4. Frühe Bindungserfahrungen



Häufig liegt eine Bindungstraumatisierung zugrunde – z. B. durch inkonsistente oder verletzende Bezugspersonen in der Kindheit.


• Dadurch lernt das Kind: Liebe ist unsicher, aber überlebenswichtig.


• Als Erwachsener wird jede neue Bindung zunächst „überhöht“, um Sicherheit und Kontrolle zu gewinnen – bis ein kleiner Bruch (z. B. Enttäuschung, Kritik) die Angst triggert und das Bild kippt.



5. Spaltung als Schutzmechanismus



Idealisierung ist die eine Seite der Spaltung, Abwertung die andere.


• Wenn alles gut läuft, wird das Gegenüber idealisiert.


• Sobald Angst, Enttäuschung oder Kränkung auftauchen, kippt die Wahrnehmung abrupt – die Person erscheint dann „böse“, „kalt“ oder „gleichgültig“.


• Das ist kein bewusster Manipulationsversuch, sondern ein Versuch, mit inneren Widersprüchen und intensiven Gefühlen zurechtzukommen.




Kurz gesagt:



Idealisierung bei Borderline ist ein Schutzmechanismus gegen Verlassenheitsangst und Selbstwertinstabilität.


Sie entsteht aus der Sehnsucht nach Sicherheit und der Schwierigkeit, ambivalente Gefühle (Liebe und Ärger, Nähe und Angst) gleichzeitig zu ertragen.



 
 
 

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