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Nicht Unwille, sondern Krankheit – Warum psychisch belastete Menschen länger brauchen um sich Hilfe zu suchen und anzunehmen☎️📞📱

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 9. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

 

Ambivalenz zu telefonieren
Ambivalenz zu telefonieren

Andrea Maierhofer, 9.1.2026, (2 min Lesezeit)




Psychiatrische Patienten brauchen oft deutlich länger, um einen Termin zu vereinbaren – und das hat sehr reale, krankheitsbedingte Gründe, nicht mangelnde Motivation. Die wichtigsten Hemmnisse lassen sich gut einordnen:




1. Krankheitssymptome selbst blockieren den Schritt



Viele psychische Erkrankungen hemmen genau die Fähigkeiten, die man zum Termin machen braucht:



Depression


• Antriebsmangel, Erschöpfung


• Entscheidungsunfähigkeit („Ich weiß nicht, ob das Sinn hat“)


• Hoffnungslosigkeit („Es wird eh nichts helfen“)



Der Anruf / Klick ist neurologisch und emotional schwer.



Angststörungen


• Angst vor Bewertung, Scham


• Angst vor dem Gespräch selbst


• Katastrophisierende Fantasien („Was, wenn ich etwas Falsches sage?“)



Trauma


• Vermeidung von Nähe, Offenheit


• Kontrollverlust-Angst


• Misstrauen gegenüber Autoritäten



ADHS


• Aufschieben, Vergessen


• Reizüberflutung durch zu viele Infos


• Hürde „Formular ausfüllen“




2. Scham, Schuld und Stigma


• „Ich sollte das allein schaffen“


• „Andere brauchen den Termin mehr als ich“


• Angst, als „schwach“ oder „krank“ wahrgenommen zu werden



Besonders bei Erwachsenen und leistungsorientierten Menschen extrem häufig.




3. Ambivalenz: Hilfe wollen UND vermeiden



Viele Betroffene sind gleichzeitig:


• leidend


• erleichtert bei der Vorstellung von Hilfe


• und voller Angst vor Veränderung



Terminvereinbarung bedeutet:  „Dann ist es wirklich real.“




4. Hoher innerer Entscheidungsaufwand



Psychiatrische Patienten fragen sich oft:


• Bin ich „krank genug“?


• Ist das die richtige Ärztin?


• Was, wenn ich abgewiesen werde?


• Was kostet das?


• Wie läuft das ab?



Zu viele offene Fragen = Blockade.




5. Externe Hürden verstärken die Hemmung


• Telefonieren fällt schwer


• Lange Texte auf Websites


• Unklare Abläufe („Was passiert im Erstgespräch?“)


• Wartezeiten oder Unsicherheit über Kosten



Jede zusätzliche Hürde kann das Handeln stoppen.




6. Warum sie oft lange schauen und überlegen – aber sich nicht melden (oder erst nach Wochen)



Typisch ist:


• Mehrfaches Besuchen einer Website


• Genaues mehrmaliges Lesen von Unterseiten


• Inneres Ringen über Tage oder Wochen, Telefonhörer schon mehrmals in der Hand gehabt, sms geschrieben, wieder verworfen



Das ist kein Desinteresse, sondern oft Vorbereitung & Mut sammeln.



Kurz gesagt:


Psychiatrische Patienten brauchen länger als zum Beispiel internistische oder orthopädische Patienten, weil genau das, was ihnen fehlt, Voraussetzung fürs Termin machen ist.






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