Scham verstehen und entlasten - Ein traumasensibler Blick auf ein stilles Gefühl
- andrea maierhofer
- 6. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Jan.

Dr. Maierhofer Andrea, 6.1.2026, (2 min Lesezeit)
Was ist Scham?
Scham ist ein starkes Gefühl, das uns glauben lässt, wir seien falsch, ungenügend oder „nicht richtig“.
Sie entsteht oft, wenn wir soziale Ablehnung fürchten oder gegen (vermeintliche) Erwartungen verstoßen.
Scham ist kein Zeichen von Schwäche – sondern ein zutiefst menschliches Gefühl.
Warum fühlen wir Scham?
Scham entwickelt sich häufig in der Kindheit oder in belastenden Beziehungen.
Sie ist besonders stark, wenn wir:
• abgewertet, ausgelacht oder beschämt wurden,
• unsere Bedürfnisse nicht zeigen durften,
• Grenzen überschritten wurden (emotional, körperlich, sozial),
• lernen mussten, dass „anders sein“ nicht sicher ist.
In traumatischen Erfahrungen kann Scham eine Überlebensstrategie sein – indem wir uns selbst die Schuld geben, statt andere verantwortlich zu machen.
Das gibt (scheinbar) Kontrolle.
Wie zeigt sich Scham?
• Innerer Rückzug, sich „klein“ machen
• Das Gefühl, „entdeckt“ oder „bloßgestellt“ zu werden
• Selbstkritik, Perfektionismus
• Körperlich: Hitzegefühl, Herzklopfen, Wunsch zu verschwinden
• „Ich bin falsch“ statt „Ich habe einen Fehler gemacht“
Wege zur Entlastung
1. Verstehen und benennen
„Das, was ich gerade spüre – das ist Scham.“
Allein das bewusste Erkennen kann beruhigend wirken.
2. Sich mitteilen – mit sicheren Menschen
In einem geschützten Rahmen (z. B. Therapie) kann das Aussprechen beschämender Erfahrungen entlasten. Scham braucht Verbindung.
3. Selbstmitgefühl statt Selbstkritik
Wie würdest du mit einem Kind sprechen, das sich schämt?
Sprich so auch mit dir selbst – mit Wärme, Verständnis und Geduld.
4. Alte Prägungen hinterfragen
Woher kommt dieser innere Druck, perfekt sein zu müssen oder keine Schwäche zu zeigen?Wessen Regeln folgst du noch – vielleicht unbewusst?
5. Im Körper bleiben
Körperübungen, Atmung oder eine achtsame Haltung helfen, mit dem Gefühl präsent zu bleiben – statt es zu verdrängen.
6. Neue Erfahrungen machen
Sich zeigen, trotz Scham – z. B. eine Meinung äußern, Hilfe annehmen oder Nein sagen – kann heilend wirken. Scham verliert ihre Macht, wenn wir sie nicht mehr verstecken müssen.
Wichtig
Scham ist nicht „krank“. Aber sie kann sehr belastend sein – besonders bei früheren Traumata.
Es lohnt sich, ihr mit Mitgefühl zu begegnen – nicht mit Schweigen.



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