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Zwangserkrankung – Ursachen, Symptome und Behandlung

  • Autorenbild: andrea maierhofer
    andrea maierhofer
  • 11. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit
Alles sauber und reduziert bei Zwangserkrankung
Alles sauber und reduziert bei Zwangserkrankung

Andrea Maierhofer, 11.1.2026, (2 min Lesezeit)




Die Zwangserkrankung (Obsessive-Compulsive Disorder, OCD) ist eine psychische Erkrankung, die durch wiederkehrende, aufdringliche Gedanken (Zwangsgedanken) und/oder zwanghafte Handlungen gekennzeichnet ist.


Betroffene erleben diese Gedanken und Handlungen als belastend, übertrieben oder unsinnig, fühlen sich ihnen jedoch innerlich ausgeliefert.


Schambesetzte Zwangsgedanken


Ein besonders belastender Aspekt der Erkrankung sind schambesetzte Zwangsgedanken,

z. B.:

• aggressive oder sexuelle Gedanken

• religiöse oder moralische Befürchtungen

• Angst, anderen absichtlich zu schaden

• intrusive Gedanken über Kontrollverlust


Diese Gedanken stehen nicht im Einklang mit den Werten oder dem Charakter der betroffenen Person. Gerade deshalb werden sie als extrem beängstigend erlebt. Aus Scham oder Angst vor Verurteilung sprechen viele Betroffene lange nicht darüber – was die Erkrankung zusätzlich verstärkt.


Die gute Nachricht: was so stark befürchtet wird, wird bei der Zwangserkrankung nie ausgeführt!


Ursachen der Zwangserkrankung – ein biopsychosoziales Modell


Die Entstehung einer Zwangserkrankung lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.

Vielmehr spielen biologische, psychologische und psychosoziale Faktoren zusammen.


Biologische Faktoren

• Veränderungen im Serotonin-Stoffwechsel

• Auffälligkeiten in bestimmten Hirnnetzwerken (v. a. fronto-striatal)

• Genetische Vulnerabilität: Zwangserkrankungen treten familiär gehäuft auf

• Häufige Komorbiditäten mit Angststörungen, Depression oder Tic-Störungen


Psychologische Faktoren

• Stark ausgeprägtes Verantwortungsgefühl

• Perfektionismus und hohes Kontrollbedürfnis

• Katastrophisierende Gedanken („Wenn ich das denke, passiert es“)

• Schwierigkeiten im Umgang mit Unsicherheit und Ambivalenz


Psychosoziale Faktoren

• Belastende Lebensereignisse (z. B. Trennung, Geburt eines Kindes, Verlust)

• Chronischer Stress

• Lernerfahrungen in der Kindheit

• Gesellschaftliche oder religiöse Normen, die Schuld- oder Schamgefühle verstärken


Diagnoseerstellung/Abklärung


Die Diagnose erfolgt durch ein ausführliches psychiatrisches Gespräch, ergänzt durch strukturierte Interviews oder Fragebögen.


Wichtig ist:

• Abgrenzung zu Grübelneigung, Angststörungen oder Psychosen

• Erfassung des Leidensdrucks und der Funktionsbeeinträchtigung

• Erkennen von schambesetzten Inhalten, die oft erst bei vertrauensvoller Atmosphäre benannt werden


Eine Zwangserkrankung ist keine Charakterschwäche, sondern eine behandelbare psychische Erkrankung.


Therapie der Zwangserkrankung


Psychotherapie

Die wirksamste psychotherapeutische Methode ist die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung

Dabei lernen Betroffene:

• Zwangsgedanken auszuhalten, ohne ihnen nachzugeben

• Zwangshandlungen schrittweise zu reduzieren

• den Gedanken ihre Macht zu nehmen


Medikamentöse Behandlung

Bei mittlerer bis schwerer Ausprägung ist eine medikamentöse Therapie oft sinnvoll oder notwendig.

Eingesetzte Medikamentengruppen:


• SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)z. B. Sertralin, Fluoxetin, Escitalopram, • Clomipramin (trizyklisches Antidepressivum mit starker Wirksamkeit bei Zwang)


Bei Zwangserkrankungen sind oft höhere Dosierungen und längere Behandlungszeiträume notwendig als bei Depressionen.

Die Wirkung setzt häufig verzögert ein (nach mehreren Wochen).


Kombinationstherapie

Die Kombination aus Psychotherapie und Medikation zeigt die besten Langzeitergebnisse – insbesondere bei schweren oder chronischen Verläufen.


Zusammenfassung


• Zwangserkrankungen sind häufig, ernst zu nehmen und gut behandelbar

• Schambesetzte Zwangsgedanken sind typisch und sagen nichts über den Charakter aus

• Die Ursachen sind biologisch, psychologisch und psychosozial bedingt

• Eine frühzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Therapie verbessert die Prognose deutlich


Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt zur Entlastung.






 
 
 

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